RPR1 'Angedacht': Glaube und Lebensfreude - geht das zusammen?

Pfarrer Albrecht Bähr, Mainz, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Mittwoch, 17. Dezember 2008:

Mir geht es wie vielen von Ihnen auch, die mit dem Auto unterwegs sind: Ich stehe oft im Stau.

Neulich war es wieder so weit. Ein Unfall auf der Autobahn verhindert ein rasches Fortkommen. Notgedrungen fällt mein Blick auf das Auto vor mir. Zwei Aufkleber sehe ich: einen Fisch und ein Weinglas mit Weintrauben und dem Slogan: „Zum Wohl, die Pfalz!“.

Der Fisch symbolisiert das Bekenntnis: Ich stehe zu Jesus Christus, finde seine Ideen gut und gehöre zur Kirche. Okay, denke ich, warum sich nicht als Christ outen?

Der andere Aufkleber zeigte: „Ich liebe die Pfalz! Ich trinke gerne Pfälzer Wein und habe Spaß dabei.“ Auch das findet meine Zustimmung.

Ich schmunzle über die beiden Aufkleber: Lebensfreude und Glaube – passt das zusammen? Viele denken bei Religion doch zuerst an ernste Gesichter, dunkle Gewänder, altehrwürdige Gesänge. Genuss und Religion, ist das vereinbar?

Natürlich, sagt mir meine innere Stimme. Und die Bibel bestätigt es, wenn sie uns auffordert: „Liebe dein Leben, iss dein Brot und trink deinen Wein mit Freuden, denn an dieser Tat hat Gott Wohlgefallen.“

Wer meint, Glaube sei etwas Todernstes und verböte Lebensfreude, der irrt.

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RPR1 'Angedacht': In meine Hände habe ich dich gezeichnet

Pfarrer Albrecht Bähr, Mainz, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Dienstag, 16. Dezember 2008:

Es ist mein absolutes Lieblingsbild. Eine Fotografie, einfach gerahmt, auf meinem Schreibtisch. Darauf abgebildet, die Hände meiner hoch betagten Großmutter, in die sich behutsam die Hände meiner kleinen Tochter legen.

Die von Falten und Furchen durchzogenen Hände meiner Großmutter haben sich tief in mein Gedächtnis eingegraben. Sie erzählen von einem langen und arbeitsreichen Leben.
Mit jenen Händen hat sie gearbeitet, Kinder großgezogen, liebkoste sie, tröstete sie Traurige, und umarmte sie voller Herzlichkeit Menschen, die sie besuchten. Meine Großmutter war eine fromme Frau. Es verging kein Abend, ohne dass sie ihre Hände zum Gebet faltete und ihre ganze Lebensgeschichte vertrauensvoll zu Gott hinhielt, überzeugt, dass ihr Leben an seiner Hand geführt wird.

„Siehe, ich habe dich in meine Hand gezeichnet“, spricht Gott, „Deine Lebensgeschichte ist Teil meiner Geschichte. Ich stehe zu dir und trage dich durch deine Zeit.“ Ein wunderschöner Gedanke.

Meine Tochter brachte ihr Wohlbefinden nicht mit Gott in Verbindung, sondern mit der Urgroßmutter, die sie liebte.
In dem Bild spiegelt sich für mich die Menschenfreundlichkeit Gottes wider. Das Urvertrauen meiner Großmutter geht auf die Urenkelin über. Sie weiß, was auch für uns alle gilt:

„Siehe, Gott hat dich in seine Hände gezeichnet.“

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RPR1 'Angedacht': Miteinander Leben gestalten

Pfarrer Albrecht Bähr, Mainz, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Montag, 15. Dezember 2008:

Ich biege mit meinem Auto in die große Einfahrt einer ehemaligen Kaserne ein. Dort leben 86 Nationen auf engem Raum miteinander. Die meisten Menschen sind zwischen zwanzig und vierzig Jahren und stehen in kleinen Gruppen zusammen, getrennt nach Herkunftsland.

Inmitten der Gebäude steht ein großes Zelt. Dort soll ich einen Vortrag zum Thema Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland halten. Während ich rede, sehe ich am Ende des Zeltes, wie sich ein dunkelhäutiges Kind von seinem Platz wegstiehlt und auf ein anderes Kind, mit weißer Hautfarbe, zugeht. Es lacht – das andere lacht zurück.

Es funkt zwischen den beiden, und sie fangen an zu spielen.
Beim anschließenden Empfang entdecke ich die beiden wieder, Hand in Hand, mit einer Fanta bewaffnet, rennen sie fröhlich durch das Zelt.

Die Bibel gibt gute Tipps, wie die Integration von ausländischen Bürgern In unserer Gesellschaft gelingen kann. Einer davon lautet:
„Fröhlich sollst du sein, vor deinem Gott, du und der Fremde in deiner Stadt. Du sollst mit Ihm essen und trinken, dann wird dich Gott segnen.“

Die Kinder brauchten meinen Vortrag nicht, um dies in ihrer Welt zu leben. Sie sind für mich wunderbare Vorbilder dafür, wie Menschen miteinander Leben gestalten können.

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RPR1 'Angedacht': Change 2008

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Sonntag, 14. Dezember 2008:

“Finanzkrise” ist das Wort des Jahres 2008. Ich persönlich hätte das Jahr mit einem englischen Wort zusammengefasst: Change. Zu Deutsch: Wandel, Wechsel, Veränderung.

Zuallererst war “Change” natürlich das Wahlkampfmotto Barack Obamas. Er hat den Wechsel geschafft. Ob es auch einen Wandel bedeutet, bleibt abzuwarten.

Dann setzte sich die Debatte um den Klimawandel, engl. Climate Change, fort und führte zu ersten Vereinbarungen.

Change, regional und lokal: In den pfälzischen Kirchengemeinden setzten sich die Presbyterien neu zusammen. Und auch neue Kirchenpräsidenten wurden gewählt: in der Pfalz und in Hessen-Nassau.

Schließlich Change, bei mir ganz privat: die Geburt meiner Tochter.

In anderthalb Wochen feiern wir die Geburt eines Kindes, das die Welt verändert hat. Was ist denn aber seit Jesus anders, als es vorher war?

Vorher saß Gott auf seinem hohen Thron, respektgebietend und ehrfurchteinflößend. Vorher waren Opfer nötig, um ihn gnädig zu stimmen. Vorher war unklar, wie Menschen verschiedener Nation und Religion miteinander umgehen sollen. Vorher war überhaupt unklar, was Gottes Wille ist, und was er vorhat mit uns Menschen.

Seit Jesus über die Welt ging, ist uns Gott ganz nah. Wir dürfen mit ihm reden wie mit Mama oder Papa, Bruder oder Schwester. Er selbst bringt Opfer für uns. Gott will, dass Friede werde. Er will Leben, ewiges Leben für uns. Gott selbst will Change, will, dass sich etwas verändert. Er blieb selbst nicht unveränderlich: Er wurde Mensch.

Dieser Change ist es wert, gefeiert zu werden. Jedes Jahr wieder, an Weihnachten.

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Rockland Radio 'Feels Like Heaven': Gottes Ja

Pfarrer Albrecht Bähr, Mainz, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Sonntag, 14. Dezember 2008:

Ich wurde nicht gefragt
bei meiner geburt
und die mich gebar
wurde auch nicht gefragt
bei ihrer geburt
niemand wurde gefragt
außer dem EINEN

und der sagte
ja

Kurt Marti, ein Schweizer Schriftsteller, schrieb dieses Gedicht. Es führt uns an die Wurzeln unseres Seins zurück: Du, ich, wir leben, weil Gott zu uns Ja’ gesagt hat, Dieses ,Ja’ gilt allen – egal, welcher Kultur sie angehören, welche Hautfarbe sie haben, welchen sozialen Hintergrund sie besitzen. Es gibt etwas, das uns alle verbindet. Das ist das Geschaffensein durch Gott, und so haben deine und meine Existenz, und die Existenz aller Menschen auch einen gnädigen Sinn.

Ein sinnvolles Leben für uns alle, das ist Gottes Wunsch für uns. Vielen ist dies nicht vergönnt. Daher rechnet er mit uns und unserem Engagement, damit auch andere ihr Leben bejahen können.

Wir feiern heute den dritten Advent. Die Adventszeit ist eine Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest, auf das große Geschenk Gottes, der seinen Sohn in diese Welt sandte.
Damit bestärkte er ein für alle Mal sein Ja zu allen Menschen. Zu mir, zu dir, zu uns.

niemand wurde gefragt
außer dem EINEN

und der sagte
ja

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RPR1 'Angedacht': Nikolauskennzeichen

Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Samstag, 6. Dezember 2008.

Ich hatte über viele Jahre ein Auto mit einem wunderbaren Nummernschild. Und auf dem stand WW-EV 6 12. EV, heißt das evangelisch? wurde ich oft gefragt.

Ich kann mir Autokennzeichen nicht gut merken und baue mir gern eine Eselsbrücke. In diesem Fall hieß sie: Für den Westerwald – die gute Nachricht – vom Nikolaustag, WW-EV-6 12. Im Westerwald – WW – lebe ich. EV – das steht für Evangelium, zu deutsch gute Nachricht. 6 12 – ganz klar, das kann nur der Nikolaustag sein.

Nikolaus war im vierten Jahrhundert Bischof der Stadt Myra in der heutigen Türkei. Er predigte die gute Nachricht und lebte sie auch. In der Legende sorgt er dafür, dass in der Zeit der Hungersnot die Menschen und besonders auch die Kinder Korn bekommen und überleben können. Großzügig verschenkt er sein ererbtes Vermögen und sein Gold an Arme und rettet so ihr Leben.

Nikolaus macht, was Jesus ihm vorgemacht hat. Jesus hat sich selbst verschenkt an uns Menschen und ist durch sein Leben und Sterben unser Retter geworden.

Schenken steckt an. Durch Jesus werden uns Vergebung und Gottes Liebe geschenkt. Und deshalb können auch wir ohne Geiz andere beschenken, so wie Nikolaus. Das ist die gute Nachricht dieses Tages und wird nur selten im Jahr so deutlich wie am 6.12.

Und jetzt wünsche ich allen einen übervollen Stiefel!

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Rockland Radio 'Feels Like Heaven': Vorbild Nikolaus

Pfarrerin Christine Gölzer, Speyer, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Samstag, 6. Dezember 2008:

Dem Henker entreißt er das Schwert und rettet damit Todgeweihte; drei Mädchen bewahrt er mit Goldklumpen vor der Prostitution; Tote erweckt er zum Leben, und eine ganze Stadt rettet er vor der Hungersnot. Viele Legenden ranken sich um Nikolaus, den Bischof von Myra aus dem 4. Jahrhundert. Gesichertes gibt es wenig. Als Sohn reicher Eltern soll er sein Erbe an die Armen verteilt haben. Und weil er zu Lebzeiten so vielen geholfen hat, wurde er zu einem der wichtigsten Heiligen. Seefahrer, Kaufleute, Kinder und noch viele andere wählten ihn zu ihrem Schutzpatron.

Und bis heute ist er aus der Adventszeit nicht wegzudenken: er schenkt, er lobt und straft, auch wenn er etwas gelitten hat unter seiner Weihnachtsmannverwandtschaft, die sich viel besser vermarkten lässt.

Wenn wir Protestanten auch keine Heiligen verehren, so ist uns dennoch dieser alte Bischof als Vorbild wichtig. Ihm ging es ums Teilen, fremde Not berührte, ihn und er versuchte zu helfen, wo er nur konnte. Die Worte Jesu, „was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ – er versuchte sie zu leben. Davon können wir uns alle eine Scheibe abschneiden.

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