RPR1 'Angedacht': Männerhimmel

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Donnerstag, 21. Mai 2009:

Heute ist Christi Himmelfahrt und der Himmel, der kann ganz verschieden aussehen, zum Beispiel so:

„Und am Ende der Straße steht ein Haus am See. Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg.
Ich hab 20 Kinder meine Frau ist schön. Alle kommen vorbei ich brauch nie rauszugehen.“

So nah kann der Himmel sein und so einfach: schöne Frauen, Fleisch auf dem Grill, genug zu Trinken und der Blick auf den See.

“Haus am See” von Peter Fox ist ein echter Männerhimmel. Und genau dahin sind Heerscharen von Männern heute wieder unterwegs – Unterwegs zum Männerhimmel – heute, an Christi Himmelfahrt, dem inoffiziellen Vatertag. Manche als reine Männergesellschaft, andere mit ihren Familien.

Apropos Männerhimmel: Die Bibel erzählt, dass Jesus nach seiner Auferstehung vor den Augen seiner Jünger zum Himmel fährt. Ein paar Frauen sind dabei, aber ansonsten ist diese Himmelfahrt reine Männersache. Auch der Blick zum Himmel, wo sie nichts sehen außer Blau und ein paar Wolken. Bis ihnen ein Engel sagt: „Bleibt nicht stehen, sondern macht euch auf den Weg. Starrt nicht in den Himmel, sondern achtet auf die Welt vor euren Füßen. Dort wird Jesus euch begegnen“.

Himmelfahrt erinnert an Jesus als Bindeglied zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch. Der Himmel ist näher als wir denken. Er berührt die Erde und wird greifbar.

Für echte Kerle als Männerhimmel. Für alle anderen als Menschenhimmel.

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Rockland Radio "Feels like heaven": Christi Himmelfahrt

Pfarrer Bernd Rapp, Pirmasens, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Donnerstag, 21. Mai 2009:

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein!“ So hat es Reinhard Mey vor über 30 Jahren gesungen. Aber so ganz grenzenlos ist die Freiheit nicht, weder über noch unter den Wolken.

Heute ist Christi Himmelfahrt – Christus hebt ab und seine Freunde schauen ihm staunend nach, die Nase oben und mit starrem Genick.

Aber bei Himmelfahrt geht es nicht darum, immer nur nach oben zu gucken. Ich muss den Blick irgendwann auch wieder auf den Boden der Tatsachen lenken. Himmelfahrt erinnert uns daran, dass Christus der Herrscher ist über Himmel und Erde, aber dass er nicht über uns steht, sondern neben uns, in unseren Problemen und Sorgen.

Denn die gibt es ja auch – und da hilft auch kein Bollerwagen und keine Männertour. Die kann zwar auch ganz schön sein, aber spätestens morgen landen wir wieder in dem manchmal ziemlich grauen Alltag.

Vielleicht tut uns der Gedanke gut, dass es da dort oben im Himmel noch einen gibt, der für mich da ist und der mich kennt.

Und wer weiß: es könnte doch sein, dass nach Himmelfahrt die Welt ein ganz klein wenig anders aussieht – vielleicht nicht mit grenzenloser Freiheit, aber doch mit einem Hoffnungsschimmer.

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RPR1 'Angedacht': Die Flasche ohne Rest

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Mittwoch, 20. September 2009:

Endlich ist sie da! Die Flasche ohne Rest. Die Flasche, in der nichts übrigbleibt. Kein Ärger mehr mit Ketchupresten. Wenn nichts mehr rauskommt, ist nichts mehr drin.

Na ja – fast. 4% bleiben drin. Aber das ist ein echter Fortschritt. Eine neuartige Beschichtung macht´s möglich. Die Ketchupflasche ohne Rest – fast ohne Rest – kommt demnächst in den Handel.

Aber uns werden trotzdem jede Menge Reste bleiben: Beim letzten Tropfen Wein, dem letzten Krümel Brot, beim Rest im Nutella-Glas: Da kann ich noch so viel schütteln, kratzen, drücken. Irgendwas bleibt immer zurück und das nicht nur bei Nahrungsmitteln.

Im Verlauf des Lebens kommt ganz schön was zusammen an Resten: unerledigte Aufgaben, unerfüllte Träume, aufgeschobene Entscheidungen, offen gebliebene Schuld.

Belastend? Ja, gelegentlich. Mit allem aufräumen, das eigene Leben entrümpeln, ausmisten, wäre schon gut. Aber zu viel für mich alleine.

Ein Leben ohne diese Rückstände wäre schon. Aber auch ziemlich steril, ohne Bindung an Vergangenes, ohne neuen Ansatz für die Zukunft, ohne Geschichte eben. Wie eine Teflonpfanne, an der alles abgleitet.

Meine Erfahrung sagt mir, die Reste gehören zu meinem Leben dazu. so ist es mit von Gott geschenkt und so muss ich es vor ihm und meinem Nächsten verantworten. So und nur so kann etwas Neues draus werden.

Wie mit dem Rest in der Ketchupflasche. Den lasse ich einfach drin, bis es wieder Nudeln mit Tomatensoße gibt: Etwas Wasser dazu, schütteln, in die Soße kippen, Problem erledigt!

Manche Reste haben auch ihr Gutes!

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Rockland Radio "Feels like heaven": Mensch, wo bist Du?

Pfarrer Bernd Rapp, Pirmasens, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Mittwoch, 20. Mai 2009:

„Mensch, wo bist du?“ Vielleicht noch im Bett, beim Zähneputzen, im Auto oder schon auf der Arbeit?
Ich jedenfalls bin heute unterwegs nach Bremen, zum Deutschen Evangelischen Kirchentag. Und das mit über 100.000 anderen Teilnehmern.

Bei zahllosen Veranstaltungen gehen wir der Frage Gottes nach: Mensch, wo bist du? Sie ist das Motto des Kirchentags.
Gott ist nämlich auf der Suche nach uns – er geht uns nach – und das sogar dann, wenn wir weder Zeit noch Lust haben! Er sucht uns und versucht uns mit seiner Liebe anzustecken.

Ja, Gott geht sogar noch weiter: er will mit uns per Du sein und nicht beim förmlichen Sie stehen bleiben. Er sucht uns dort auf, wo wir Fragen haben, wo unsere Verantwortung gefragt ist und wo wir uns einsetzen für eine gerechtere Welt.

Menschenskind – ist das nicht wunderbar, dass Gott auf der Suche nach uns ist? Und deshalb: Mensch, komm doch raus aus deinem Versteck, trau dich was, fang was an, bezieh deinen Standpunkt, mach dich nützlich für Gott und deshalb auch für andere!

Mensch, wo bist du? Egal wo, mach dich auf ins Leben, zu den Menschen, ja, zu Gott. Ach, Mensch, da bist du!?

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Rockland Radio "Feels like heaven": Was trägt man im Sarg?

Pfarrer Bernd Rapp, Pirmasens, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Dienstag, 19. Mai 2009:

Es ist ein unbeschwerter Frühlingstag. Meine Familie und ich sitzen gemeinsam auf der Terrasse und essen, die Sonne scheint, das Leben ist leicht und schön!

„Papa“, fragt mich da plötzlich meine neunjährige Tochter, „stimmt es, dass die Toten im Sarg schöne Kleider an kriegen?“ Ich quäle mir den letzten Bissen runter und antworte verlegen: Ja, stimmt!

Doch die nächste Frage folgt sofort: „Papa, was würdet ihr mir anziehen, wenn ich sterben würde!“ Ich schaue meine Frau an, sie blickt zurück und ich antworte: „Ich hoffe sehr, dass ich das nie erlebe, aber was hättest du denn gerne an?“

Und dann fängt sie an zu überlegen, welche Kleider sie anhaben möchte und welche Kuscheltiere und Spielsachen mit in den Sarg sollen.

Wir Erwachsene sind manchmal viel zu kompliziert. Denn als meine Stimmung und die meiner Frau am Tiefpunkt gewesen ist, war für meine Tochter klar: wenn ich tot bin, dann komme ich ja in den Himmel. Dort sehen wir uns alle wieder. Dann ist doch alles nicht so schlimm!

O.k, das ist eine einfache und kindliche Denkweise, aber es so ist dieser Frühlingstag unbeschwert geblieben. Wir saßen noch lange auf der Terrasse, die Sonne schien und das Leben war leicht und schön.

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RPR1 'Angedacht': Wer ist systemrelevant?

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Dienstag, 19. Mai 2009:

Haben Sie das Wort „systemrelevant“ schon mal gehört? Das gibt es noch gar nicht so lange. Genauer: erst seit der Wirtschaftskrise.

Wenn Banken oder Autofirmen die Pleite droht, soll der Staat sie retten, wenn sie „systemrelevant“ sind. Gemeint ist damit: Wenn sie zu groß und zu wichtig sind, um sie pleite gehen zu lassen. Ihr Bankrott hätte unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft.

Aber: ab wann ist ein Unternehmen „systemrelevant“? Man kann zum Beispiel sagen: Erst ab einer bestimmten Zahl von Arbeitsplätzen. Dann sind Banken eindeutig systemrelevant.

Für mich geht es hier aber um die Frage der Gerechtigkeit: Was ist mit den kleinen und mittelständischen Betrieben? Die stellen immer noch die meisten Arbeitsplätze und sind genau so wichtig für das große Ganze.

Und wie „systemrelevant“ ist jeder einzelne Mensch mit seinen besonderen Gaben? Wie unverzichtbar ist er für die vielen Systeme, zu denen er gehört: Für die Firma, die Familie, den Verein, die Kirchengemeinde?

Aus biblischer Sicht ist die Sache klar: Meine Systemrelevanz hat ihren Ursprung in Gott. Als Gottes Ebenbild ist jeder Mensch „systemrelevant“: Voraussetzungslos wichtig , wertvoll und einmalig.

Politik und Wirtschaft denken in anderen Größenordnungen. Letztlich aber geht es um Menschen. Jeder einzelne hat einen unschätzbar hohen Wert. Zu hoch, um fallen gelassen zu werden.

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RPR1 'Angedacht': Vergiss es einfach!

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Montag, 18. Mai 2009:

„Vergiss es einfach“ – das sage ich, wenn ich keine Lust auf Erklärungen habe. „Vergiss es einfach“ – so breche ich Gespräche ab, wenn ich glaube: Es ist zwecklos, weiterzureden. „Vergiss es einfach!“ Ich setze dabei voraus, dass Vergessen einfach ist. Vergessen macht den Alltag erst möglich, weil es die Seele reinigt.

Vergessen ist so einfach wie menschlich – das dachte ich, bis ich die Geschichte von Jill Price hörte. Es klingt unglaublich: Jill Price kann nicht vergessen. Vielleicht würde sie ja gerne. Doch dazu müsste sie wissen, wie das geht. .

Die 42jährige Amerikanerin ist eine wissenschaftliche Sensation. Ihr Gehirn speichert alles. Das Phänomen ist so selten, dass es dafür nicht einmal einen Namen gibt.

Jill Price kann sich an jeden Tag ihres Lebens genau erinnern, seit ihrem 9.Lebensjahr.

Jedes böse Wort, jeder Fehler, jede Angst und jeder Schmerz ist für sie gegenwärtig. Bei ihr heilt die Zeit keine Wunden.

Ich frage mich: Wie kann man lieben, wenn man nicht vergisst? Und wie kann man verzeihen, wenn jeder Schmerz immer gegenwärtig bleibt? Wie kann man überhaupt leben, wenn die Erinnerung zum Käfig wird?

Ich möchte nicht mit Jill Price tauschen. Die eigene Vergangenheit ständig zu durchleben wäre für mich die Hölle.

Danke, Gott, dass ich vergessen kann, entfährt es mir spontan, wenn ich so etwas höre. Und ich nehme mir vor, in Zukunft gelassener zu bleiben, wenn ich wieder mal vergessen habe, wo mein Schlüssel liegt.

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