RPR1 "Angedacht": Komplettrenovierung
Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Donnerstag, 10. September 2009.
Stellen Sie sich vor Sie kommen aus dem Urlaub nach Hause und wollen nur noch das Auto ausladen, duschen und ins Bett. Sie schließen die Haustür auf und wundern sich: Der Flur sah doch immer ganz anders aus. Andere Farben, anderes Mobiliar.
Und vor ihnen steht – ein Fernsehteam. Sie sind mitten drin in einer dieser Serien, in der Leute mit einer kompletten Innenrenovierung überrascht werden.
Bekannten von mir ist es so gegangen. Ihre Tochter hatte alles unbemerkt organisiert. Oft hatten sie gesagt: Das Haus müsste dringend mal renoviert werden. Jetzt war es so weit.
In der Bibel ist auch oft von einem Haus die Rede. Aber dort ist mehr damit gemeint als nur ein Gebäude. Das Haus eines Menschen – das ist seine ganze Familie, ebenso wie die Gemeinde Gottes. Und Jesus vergleicht unser Leben mit einem Haus.
Gemeinde, Familie, mein Leben – die könnten auch alle mal eine Grundrenovierung vertragen. Aber dabei kann kein Fernsehteam helfen.
Nach evangelischem Verständnis geht das nur mit Gottes Hilfe. Allein er hat die Kraft, die Kirche, meine Familie und sogar mich selbst zu renovieren.
Wie das geht? Er vergibt mir alle meine Schuld und meine Fehler. Und dadurch kann sich alles verändern. Darüber staune ich nicht weniger, als meine Bekannten über ihr total renoviertes Haus.
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Rockland Radio 'Feels like heaven': Eventshopping
Pfarrer Sascha Müller, Kaiserslautern, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Mittwoch, 9. September 2009:
Kennen Sie das: voller Vorfreude auf nette Briefe öffnen Sie den Briefkasten und dann: Werbung.
Neuerdings immer öfter mit im Angebot: Einladungen zu sogenannten Eventshoppings: Einkaufen bis in die Nacht und manchmal auch als exklusives Ladyshopping wird da angepriesen. Oder ganz persönliche Sonderangebote, die aber leider erst samstags abends ab 21 Uhr gelten.
Solche Einladungen ärgern mich. Es ärgert mich, dass Freizeitgestaltung immer mehr aus Konsum zu bestehen scheint. Auch die vielen verkaufsoffenen Sonntage gehören zu diesem Trend.
Wissen wir nichts Besseres mit unserer Zeit anzufangen, als Geld auszugeben, dass wir vielleicht gar nicht haben?
Martin Luther hat einmal gesagt: woran Du dein Herz hängst, das ist dein Gott.
Das heißt für mich: Wer sein Herz nur noch ans Kaufen und Konsumieren hängt, der vergisst, dass es andere, wichtigere Dinge im Leben gibt: Zusammensein mit Freunden, gemeinsam Sport treiben, oder einfach auch die süße Zeit des Nichtstuns.
Ich will mein Herz nicht daran hängen, noch das letzte Schnäppchen zu ergattern, oder Nachts und am Sonntag auf Schnäppchenjagd zu gehen.
Und Sie? Woran hängt ihr Herz?
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RPR1 "Angedacht": Die Ludolfs
Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Mittwoch, 09. September 2009.
Zehn Minuten von mir entfernt wohnen die Ludolfs. Genau – die vier Brüder auf’m Schrottplatz. Einem Freund, der Geburtstag hatte, wollte ich eine kleine Freude machen. Er wohnt bei Zwickau, mag Autos und kennt die Ludolfs aus dem Fernsehen.
Deshalb bin ich zum Schrottplatz gefahren und habe die Ludolfs um ein Autoteil für meinen Freund gebeten. Natürlich mit ihren Autogrammen. Wenige Minuten später hatte ich eine Radkappe mit der Widmung: Für Gerald zum fünfzigsten Geburtstag, mit herzlichen Grüßen von Peter, Manni, Uwe und Günter.
„Was bin ich schuldig?“ habe ich die Brüder gefragt. Ihre Antwort: „Nichts!“
Es gibt sie also doch noch, Leute, die man einfach um etwas bitten kann. Wir bitten einander viel zu selten um etwas. Wer einen anderen um etwas bittet, gibt ihm die Chance, Gutes zu tun. Und jeder kann immer noch ja oder nein sagen.
Jesus fordert uns zum Bitten auf. Er sagt „Bittet, so wird euch gegeben. Denn, wer da bittet, der empfängt.“ Einfach so, ohne Wenn und Aber.
Und Jesus erklärt: Wenn schon Menschen, die böse sind, ihren Kindern Gutes geben, wie viel mehr wird dann unser Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten!
Also, bitten wir und lassen uns überraschen, wie viel wir bekommen, von den Menschen – und von Gott. Für meinen Freund Gerald jedenfalls war die Radkappe zu seinem Fünfzigsten das schönste, weil originellste Geschenk.
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Rockland Radio 'Feels like heaven': Lesen können ist ein Menschenrecht
Pfarrer Sascha Müller, Kaiserslautern, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Dienstag, 8. September 2009:
„Papa, ich kann lesen.“
Mein vierjähriger Sohn war stolz bis zum Platzen, als er mir neulich diesen Satz gesagt hat. In der Tat hatte er in seinem Bilderbuch, dass er gefühlte 100 Mal mit mir angeschaut hat, das Wort „Traktor“ eindeutig erkannt. Meinen Sohn so stolz zu sehen, nur weil er dies eine Wort „lesen“ konnte – das hat mich sehr berührt.
Denn viele erwachsene Menschen in unserer Gesellschaft können nicht lesen. Weltweit sind sogar rund 20 Prozent der Menschen Analphabeten.
Wer nicht lesen kann, ist von wesentlichen Informationen abgeschnitten, und ständig auf Hilfe angewiesen. Darauf weist die UNESCO anlässlich des heutigen Weltalphabetisierungstages hin.
Das Menschen nicht lesen können, kann den Kirchen nicht gleichgültig sein, denn Lesen können ist ein Menschenrecht.
Gerade für die Evangelische Kirche gehören Lesen können und Glaube eng zusammen.
Immerhin war Martin Luthers Bibelübersetzung eines der ersten Bücher, das es in großer Auflage auf deutsch gegeben hat mit dem viele Menschen lesen lernten. Und auch heute trägt unsere Kirche mit vielen Kursen dazu bei, dass Menschen lesen lernen.
Wenn Sie jemanden bemerken, der nicht lesen kann, dann schauen sie nicht weg, helfen sie ihm. Und zeigen Sie ihm Wege zur Selbsthilfe auf, denn Lesen können ist ein Menschenrecht.
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RPR1 "Angedacht": Loslassen können
Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Dienstag, 08. September 2009.
Bei uns hängen viele junge Männer ewig an Mutters Rockzipfel und werden mit über dreißig Jahren zu Hause noch total versorgt. Mit Waschen, Bügeln, Kochen und allem anderen. So klagte neulich eine Bekannte aus Italien.
Als sie mir das so erzählt hat, musste ich an einen Witz denken: Drei Geistliche werden gefragt: Wann fängt das Leben an? Der katholische Priester sagt, im Moment der Zeugung. Der evangelische Pfarrer, ja soo genau weiß ich es nicht? Der Rabbi antwortet: Das Leben, ja das Leben fängt an, wann die Kinder aus dem Haus sind.
Von einem anderen jüdischen Rabbi namens Jesus stammt der Satz: Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.
Bei jeder Trauung lese ich diese Worte vor, denn Liebe zu unseren Kindern ist so wichtig und sehr wertvoll. Aber Liebe muss auch loslassen können. Die Liebe klammert nicht.
Am besten, Eltern fangen schon früh genug damit an, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ihre Kinder ihnen nicht gehören, sondern ihnen von Gott anvertraut sind.
Zum Schluss noch ein Praxis Tipp:
Ein Freund hat mir neulich gesagt: Bei uns gibt es kein Hotel Mama. Wie habt ihr das geschafft? Habe ich ihn gefragt.
Seine Antwort: Wir haben jedem Kind zum Auszug eine Waschmaschine geschenkt.
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Rockland Radio 'Feels like heaven': 60 Jahre Deutscher Bundestag
Pfarrer Sascha Müller, Kaiserslautern, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Montag, 7. September 2009:
Heute gibt es einen ganz besonderen Geburtstag zu feiern. Denn genau heute vor 60 Jahren ist in Bonn zum ersten Mal der Deutsche Bundestag zusammengetreten. Wählen können nach den Jahren der Nazi-Diktatur, das muss damals etwas ganz besonders Wertvolles gewesen sein.
Heute, 60 Jahre später und knapp drei Wochen vor der nächsten Bundestagswahl, scheint das anders zu sein.
Die Wahlbeteiligung sinkt stetig, die Politikverdrossenheit steigt allerorten.
Als Christ halte ich das Wählen allerdings für eine Pflicht.
Denn Christen ist es nicht egal, was in der Welt um sie herum geschieht.
Christen setzen sich dafür ein, dass es im Hier und Jetzt gerecht zugeht. Sie treten ein für die Schwachen und Benachteiligten unserer Gesellschaft. Sie wollen die Gesellschaft mitgestalten, ganz aktiv in ihrem täglichen Handeln, und auch am Wahlsonntag, indem sie ihre Stimme abgeben.
Für mich gilt daher: Wählen ist Christenpflicht.
Denn ich will nicht dabei zusehen, wie menschen- und lebensfeindliche Kräfte über meine, über unsere Zukunft bestimmen, wie es noch im Dritten Reich der Fall gewesen ist.
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RPR1 "Angedacht": Irgendwas bleibt!
Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Montag, 07. September 2009.
„Irgendwas bleibt“, so singt die Rockgruppe Silbermond in einem Lied. Die Musiker haben sich vor über zehn Jahren bei der christlichen Musikveranstaltung Ten Sing kennen gelernt, auf Deutsch: Teenager singen.
Alles beginnt so: Neunzehnhundertsechsundsechzig ruft in Norwegen eine ältere Dame einen Jugendpfarrer an: Gott hat mir gesagt, Sie sollen noch heute Abend nach Deutschland fliegen.
Der Pfarrer denkt: Die Alte spinnt! Doch die Dame bezahlt das Ticket, und er fliegt nach Hamburg. Dort erlebt er eine Jugendshow mit hinreißendem Gesang und ist begeistert.
Er lädt Jugendliche zu sich ein und sagt im Blick auf den zweiten Weltkrieg: „Deutsche waren schon einmal in Norwegen – ohne Einladung. Ihr werdet als Freunde kommen.“ Und Ten Sing entsteht.
Ich will, dass ihr Frucht bringt und eure Frucht bleibt, hat Jesus einmal gesagt.
Irgendwas bleibt. In Deutschland gibt es heute einhundert und zwanzig Ten Sing Chöre, in Europa hunderte.
Irgendwas bleibt, wenn eine ältere Frau auf Gott hört und ein junger Mann mutige Schritte geht.
Irgendwas bleibt, wenn Menschen ehemals verfeindeter Nationen sich versöhnen.
Ich singe die Liedzeile von Silbermond mit als ein Gebet zu Gott: Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas, das bleibt.
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