SWR 1 Rheinland-Pfalz "Anstöße": Weihnachten kommt bestimmt.

Pfarrer Ludwig Burgdoerfer, Landau, spricht ‘Anstoesse’ bei SWR 1 Rheinland-Pfalz am Montag, 20. Dezember 2010.

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SWR 1 Rheinland-Pfalz "Anstöße": Krippenspielzeit.

Pfarrer Ludwig Burgdoerfer, Landau, spricht ‘Anstoesse’ bei SWR 1 Rheinland-Pfalz am Sonntag, 19. Dezember 2010.

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RPR1 "Angedacht": Es weihnachtet sehr.

Pfarrer Hans Hutzel, Ludwigshafen-Oggersheim, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Samstag, 18. Dezember 2010:

Intercityexpress 695, Wagen 12 Platz 21, Berlin – München.
Ich sitze an einem Platz mit einem Tischchen. Mir gegenüber eine junge Dame. Es dauert nicht lange und wir kommen ins Gespräch. Ich erfahre, dass sie Medizin im 6. Semester studiert und dass sie auf dem Weg zu ihren Eltern nach Stuttgart ist, weil sie die Weihnachtstage daheim verbringen möchte. „Die letzten Tage in Berlin“, stöhnt sie, „waren sehr stressig: Weihnachtseinkäufe, Klausuren und, und, und…!“

Doch dann beginnt die junge Frau vor Begeisterung und Freude zu strahlen, als sie sagt: „Aber das ist jetzt vergessen. Vielleicht mag es etwas altmodisch klingen, aber ich bin glücklich, meine Eltern wiederzusehen. Ich freue mich auf gute Gespräche, auf das gute Essen und einfach auf die Zeit, die ich mit Mama und Papa haben werde. Sie müssen wissen: Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, da ist nichts selbstverständlich. Wenn ich bedenke, welches finanzielle Opfer meine Eltern so manches mal bringen mussten, um mir das Medizinstudium zu ermöglichen – da bin ich einfach nur dankbar und glücklich.“

Und in dem vollbesetzten Zug wirkt die Studentin auf mich wie ein heller Stern zwischen all den weihnachtsgestressten und genervten Passagieren. Ich bin mir sicher: Die Eltern der jungen Frau werden sich sehr freuen, wenn sie nach mehrstündiger Bahnfahrt aussteigen und zu ihnen sagen wird: „Da bin ich wieder!“ Und ich werde das Gefühl nicht los, dass es doch sehr weihnachtet.

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RPR1 "Angedacht": Irgendwo und irgendwen.

Pfarrer Hans Hutzel, Ludwigshafen-Oggersheim, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Freitag, 17. Dezember 2010:

So kurz vor den Weihnachtsferien plaudern meine Schüler und ich in gemütlicher Atmosphäre im Religionsunterricht darüber, wen wir während der Festtage alles besuchen werden. Martin meint trocken: “An Weihnachten scheint wohl jeder auf den Beinen zu sein, um irgendwen, irgendwo zu besuchen!“

Ich stimme ihm zu und sage: „Das ist genau das Problem: Irgendwen und irgendwo!“ Viele haben offenbar vergessen haben, dass hinter diesen Besuchen viel mehr steckt als nur eine schöne Tradition oder vielleicht lästige Pflichterfüllung.

Ich erinnere meine Schüler deshalb an Gott, der sich in Jesus im übertragenen Sinne auf den Weg macht, um uns Menschen zu besuchen. Mal ehrlich: Wer denkt denn da heute noch daran? Zwar sind viele unterwegs in dieser vorweihnachtlichen Zeit und auf den Weihnachtsmärkten und in den Kaufhäusern ist immer viel los – aber nur wenige sind unterwegs, um – wieder im übertragenen Sinne – die Botschaft des Kindes in der Krippe zu suchen.

Vor 2000 Jahren war das nicht anders: Nur ein paar Hirten und paar Weise haben sich auf den Weg gemacht, das Kind zu sehen. Doch diese wenigen reagieren: Sie fangen an zu loben und zu danken, weil große Freude ihr Leben erfüllt und weil sie das Wort aus dem Lukasevangelium zu verstehen beginnen: „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk!“

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RPR1 "Angedacht": Lichtverschmutzung.

Pfarrer Hans Hutzel, Ludwigshafen-Oggersheim, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Donnerstag, 16. Dezember 2010:

Viele Städte und Dörfer strahlen in diesen Tagen im wahrsten Sinne des Wortes: Weihnachtsbeleuchtung, wohin man blickt. Nicht wenige sprechen von
Energie verschwendung, Geldmacherei; es ist eine leidige Diskussion … alle Jahre wieder.

Ich allerdings gestehe, dass ich Weihnachtsbeleuchtung schön finde. Ich mag die leuchtenden Sterne in den Fenstern und die festliche Lichterketten auf den Tannen.

Was ich allerdings nicht mag, sind bunte Stakkato-Lichtorgeln an den Balkonen oder schrill blinkende überdimensionale Weihnachtsmänner, die irgendwo in den Vorgärten rumhängen – das ist mir persönlich zu viel, als wäre es nicht schon hell genug in unseren Städten.

‚Lichtverschmutzung’ so nennen italienische und amerikanische Forscher dieses Phänomen und haben passend dazu eine Studie veröffentlicht. Eine Erkenntnis daraus: Weil so viel Kunstlicht die Nächte extrem erhellt, sehen die meisten Menschen in Westeuropa keinen klaren Sternenhimmel mehr.

Und der gefällt mir persönlich gerade jetzt in der Adventszeit noch besser als die Weihnachtsbeleuchtung in den Städten und Dörfern. In der Stille und der Dunkelheit auf den Feldwegen außerhalb der Stadt genieße ich es, in den Himmel zu schauen, und die Sterne zu sehen.

Und jedes Mal bin ich für einen kurzen Augenblick überzeugt davon, den am Himmel den „Stern von Bethlehem“ erkannt zu haben.

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RPR1 "Angedacht": Armer Josef!

Pfarrer Hans Hutzel, Ludwigshafen-Oggersheim, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Mittwoch, 15. Dezember 2010:

Im Religionsunterricht diskutiere ich mit meinen Schülern über die Weihnachtsgeschichte. Heute steht überraschend Josef im Mittelpunkt.

Nadine ergreift Partei für ihn und meint: „Also, der hat ja wirklich die Arschkarte gezogen. Seine Frau ist schwanger, aber nicht von ihm, sondern vom heiligen Geist. Was für eine Geschichte, die dem aufgetischt wird. Aber das scheint sein Schicksal zu sein und das nimmt er auch noch an. Hat der einmal über seine Rolle nachgedacht?“

Nadine redet sich förmlich in Rage und setzt dann noch einen oben drauf, indem sie sagt: „Im Zeitalter der Emanzipation ist es höchste Zeit, Josef mal zu würdigen. Mensch, was wäre denn Weihnachten ohne ihn? Das muss einer doch erst mal verkraften, die Partnerin schwanger, ohne dass was zwischen den beiden gelaufen ist!“

Die Schüler gucken Nadine verdutzt an, die mich daraufhin hilfesuchend anblickt. Ich ergänze Nadines Ausführungen: Josef weiß, dass Gott Unglaubliches mit Maria und ihm vorhat. Aber er ist gewiss, dass Gott ihn nicht allein lässt.

Im Matthäusevangelium ist überliefert, dass Gott Josef einen Engel sendet. Tröstend soll er zu Josef gesagt haben:
Fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen. Sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden!“

Es ist zwar hart für ihn, aber Josef steht zu seiner Maria, trotz so mancher Irritation und Kränkung.

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RPR1 "Angedacht": Angestiftet.

Pfarrer Hans Hutzel, Ludwigshafen-Oggersheim, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Dienstag, 14. Dezember 2010:

“Meine Güte”, sagen Petra und Lena fast im Gleichklang, so redet doch kein Mensch. Wie das schon anfängt: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes!“ Was ist das denn überhaupt für ein Text, fragen meine Schüler.

Ich antworte ihnen: Das ist Marias Lobgesang, das so genannte „Magnifikat“, es steht im Neuen Testament, im 1. Kapitel des Lukasevangeliums. Die Sprache ist für Euch und mich etwas ungewöhnlich, aber: Es ist ja auch ein feierliches Gedicht, das Maria vom Evangelisten Lukas sozusagen in den Mund gelegt wird.

Im weiteren Verlauf der Stunde versuchen die Schüler und ich die ungewohnten Formulierungen aufzulösen:
Wenn Gottes Herrschaft anfängt, wird manches anders, steht da: Arme und Reiche werden völlig anders behandelt als bisher, die Maßstäbe der Menschen verkehren sich ins Gegenteil: Einschätzungen wie hoch und niedrig ver-lieren ihre Bedeutung

Schließlich meint Lena: „Na, dieser uralte biblische Text klingt ja ganz schön politisch!“ Ich widerspreche dem nicht; aber ich weise darauf hin, dass eines dabei besonders wichtig ist: Es ist Gott, der hinter den Veränderungen steht und für eine gerechte Weltordnung sorgt.

Um das zu erreichen, stiftet er ganz unterschiedliche Menschen an: Maria, die junge Frau aus Nazareth oder Dich, Petra oder Dich Lena oder vielleicht Sie, liebe Hörer.

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