RPR1 "Angedacht": Abrahams Heimat.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Dienstag, 19. Oktober 2010:
Sie ist so alt wie die Menschheit: die Sehnsucht von Menschen nach einer Heimat. Auch im Alten Testament spielt diese Sehnsucht eine wichtige Rolle. Zum Beispiel für Abraham.
Gott fordert ihn auf, aus seiner Heimat fortzuziehen in ein noch unbekanntes Land, dass Gott ihm zeigen möchte. Für Abraham heißt dies: das Elternhaus und die Freunde zu verlassen, liebgewonnenes aufzugeben.
Dennoch bricht Abraham auf. Alles, was ihm wichtig ist, überlebenswichtig, lässt er hinter sich. Er wird heimatlos. Und er ist damit – nach damaligen Verhältnissen – schutzlos. Abraham durchquert das Land Kanaan und die Wüste und kommt schließlich nach Ägypten.
Obwohl er sich dort gut einrichtet und es sogar zu einem gewissen Wohlstand bringt, spürt er, dass er etwas verloren hat: seine Heimat fehlt ihm. Diese Erfahrung hat ihm Gott hat ihm nicht erspart.
Erst später, so berichtet die Bibel, siedelt sich Abraham in dem Land an, dass Gott ihm gezeigt hat und er erfährt im Traum, dass dieses Land – Kanaan mit Namen – einmal seinen Nachkommen gehören wird. Es wird ihre Heimat werden.
Die Geschichte von Abraham ist die Geschichte eines Menschen, der Mut beweist, Risiken eingeht, offen für Veränderungen bleibt und so schließlich nach Jahren in der Fremde wieder eine Heimat hat. Eine Heimat, die Gott ihm zeigt. Und die er mit Gottvertrauen findet. Für sich und seine Nachkommen.
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RPR1 "Angedacht": Heimat Kirche.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Montag, 18. Oktober 2010:
Heimat | Kirche | Pfalz. So lautet das Motto einer Initiative der Evangelischen Kirche der Pfalz. Heimat und Kirche miteinander in Beziehung zu setzen kommt nicht von ungefähr. Heimat hat etwas mit meiner Herkunft zu tun, mit dem Dorf oder der Stadt oder dem Land, aus dem ich komme.
Mit dem vertrauten Kirchturm zum Beispiel, mit der
Gemeinschaft in der ich groß geworden bin oder in der ich lebe. Heimat kann Geborgenheit und Zuhause sein bedeuten. In jedem Fall geht es um Nähe.
Es scheint paradox: Je stärker die Globalisierung voranschreitet, je unüberschaubarer Bereiche wie Wirtschaft, Kommunikation und Politik werden, desto stärker ist das Bedürfnis nach einem festen Halt, einem vertrauten Rückzugsraum.
Experten sprechen im Zusammenhang mit der neuen Sehnsucht nach Heimat, auch von „Dis-Embedding“: dem Gefühl, nirgendwo zu Hause und wirklich eingebunden zu sein. Das kann krank machen, zur Heimwehkrankheit führen.
Menschen eine Heimat zu bieten, ist ein Zukunftsthema für die Kirche. Nicht nur in der Pfalz. Dabei sind es neben den kirchlichen Handlungsfeldern wie Gottesdienst, Seelsorge, Kultur auch soziale Beziehungen, die Geborgenheit und Identität ermöglichen. Es soll deutlich werden: Die Kirche lebt mit den Menschen und für sie.
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RPR1 "Angedacht": Bungeejumping.
Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Montag, 06. September 2010.
Der Bungeespringer prüft ein letztes Mal, ob alles okay ist. Dann lässt er sich fallen. Fünfzig Meter, einhundert Meter, einhundertfünfzig Meter. Schließlich landet er im Fluss unter ihm.
Das Seil federt zurück und zieht ihn wieder heraus. In diesem Moment schnellt ein riesiges Krokodil aus dem Fluss, öffnet sein Maul und schnappt nach ihm.
Zentimeter nur liegen zwischen seinem Körper und dem Maul des Krokodils. Die Zuschauer sind starr vor Schreck. Doch das Bungeeseil bringt ihn außer Reichweite und in Sicherheit.
Das ist nicht erfunden, keine Filmszene. Nein: Freunde von mir, die einige Jahre in Australien wohnten, waren dabei und haben es mir erzählt.
Glück gehabt? Oder zufällig noch mal gut gegangen?
„Pfiat di Gott“, sagt man in Bayern zum Abschied, was heißen soll: „Behüt dich Gott“.Dass einer auf uns aufpasst, wer wünschte sich das nicht?
Wenn wir uns gerne liebevoll voneinander verabschieden, hängt das auch damit zusammen, dass wir alle nie wissen können, ob wir uns wieder sehen.
Damit dies nicht dem Glück oder dem Zufall überlassen bleibt, setzen meine Frau und ich uns jeden Morgen ein paar Minuten zusammen. Und wir nehmen uns diesen Moment Zeit und beten für unsere Kinder und alle unsere Lieben, dass Gott auf alle aufpasst.
Was für ein Krokodil auch immer heute nach Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, schnappen könnte – ich wünsche Ihnen und bitte deshalb Gott darum, dass Sie beschützt und behütet sind.
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RPR1 "Angedacht": Die Kinder im Mittelpunkt.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Samstag, 14. August 2010:
„Lasst die Kinder zu mir kommen, denn ihnen ist das Himmelreich.“ Mit diesem Satz hat Jesus vor fast 2000 Jahren die Kinder in den Mittelpunkt gerückt. Die Kleinsten und Schwächsten der Gesellschaft stellt er den ach so abgeklärten Erwachsenen als Beispiel, als Vorbild hin. Schließlich ist Gott selbst als kleines Kind in die Welt gekommen.
„Lasst die Kinder zu mir kommen.“ Diesen Grund-Satz Jesu befolgt die Kirche bis heute. Darum unterhält sie Kindertagesstätten, lädt zu Kindergruppen ein, kümmert sich in Kindereinrichtungen um die Benachteiligten.
Und, nicht zu vergessen: Die Kirchengemeinden laden zum Kindergottesdienst, dem Kigo, ein. Vielfach sonntags, manchmal aber auch an anderen Wochentagen. Zeitgleich zum Kinderkanal Kika und den Filmen der anderen Fernsehsender. Ein ziemlich schweres Unterfangen gegen die TV-Konkurrenz zu bestehen. Denn dort genügt der Knopfdruck, in die Kirche muss man sich bewegen.
Und dennoch kommen bundesweit rund 270.000 Kinder in die evangelischen Kindergottesdienste. Fröhlich geht es da zu und unkonventionell. Es gibt mehr Bewegung, als das Zappen mit der Fernbedienung. Es wird gemalt und gebastelt, gesungen und erzählt. Die Kinder sind selbst aktiv, können sich einmischen. Sie sind gefragt.
Also, wie wär‘s morgen früh mit einem Besuch im Kigo? Der ist übrigens immer live und einfach himmlisch.
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RPR1 "Angedacht": Eine Nachtigall ohne Flügel.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Freitag, 13. August 2010:
Sie ist keine Politikerin und keine Verbandslobbyistin im Gesundheitswesen, dennoch gehört sie zu den großen Gesundheitsreformerinnen: Florence Nightingale. Die Tochter einer reichen britischen Familie gilt als die Wegbereiterin der modernen Krankenpflege. Heute vor 100 Jahren ist sie gestorben.
Ihr Leben ist ein Beispiel dafür, wie Glaube und Handeln zusammengehören. „Gott sprach mit mir und berief mich in seinen Dienst“, hat sie im Rückblick gesagt. Dieser Dienst war ein Dienst an den Kranken. Als Pflegerin hat sie das marode Gesundheitssystem und die desolaten Zustände in den Krankenhäusern ihres Landes kennengelernt.
Auf der Suche nach Lösungen für diese Probleme ist Florence Nightingale auch nach Deutschland gekommen. Hier lernte sie die Arbeit der Kaiserswerther Anstalten, einer diakonischen Einrichtung in der Nähe von Düsseldorf, kennen. Dort haben sich vor allem Frauen der drängenden sozialen Probleme des Industriezeitalters angenommen. Neben der Erziehung und Bildung von Kindern gehörte dazu auch die Pflege von Alten und Kranken.
Mit diesen Eindrücken im Gepäck und mit der Erfahrung der Arbeit als Kriegskrankenschwester hat Nightingale ein Pflegesystem für englische Kriegskranke organisiert. Dadurch ist sie zu einer treibenden Kraft bei der Reform des Gesundheitswesens in ihrem Land geworden. Ihre unermüdliche Tätigkeit war darüber hinaus der Anstoß für die Gründung des Roten Kreuzes.
„Gott sprach mit mir und berief mich in seinen Dienst.“ Florence Nightingale war eine Dienerin Gottes, oder um es mit einem altertümlichen Begriff zu sagen: ein Engel. Und sie zeigt: Engel brauchen keine Flügel.
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RPR1 "Angedacht": 40 Jahre Moskauer Vertrag.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Donnerstag, 12. August 2010:
Heute vor 40 Jahren wurde im Katharinensaal des Kremls in Moskau ein Vertrag zwischen der Sowjetunion und der Bundesrepublik Deutschland geschlossen. Nicht irgendein Vertrag, sondern der sogenannte Moskauer Vertrag.
Mit ihm hat die Entspannungspolitik zwischen Ost und West begonnen. Den Frieden erhalten, Entspannung fördern, Hass überwinden, Grenzen achten, Versöhnung praktizieren, all das waren Bestandteile des Vertrages, dem weitere folgen sollten. Unumstritten war der Vertrag in der Bundesrepublik nicht.
Während die einen die Versöhnungspolitik von Bundeskanzler Willy Brandt frenetisch bejubelt haben, ließen die anderen keinen Versuch aus, die Ostpolitik zu torpedieren.
Vor 40 Jahren hat die Politik den theologischen Begriff der Versöhnung auch in ihr Handeln eingeführt und erkannt: Wenn Menschen miteinander leben wollen, brauchen sie Versöhnung. Wenn es menschlich weitergehen soll, wenn nicht Wunden offen bleiben sollen, braucht es „Heilung“. Wo Krieg herrschte und herrscht – auch kalter Krieg – ist ohne Versöhnung nichts zu gewinnen.
Auch ein Sieger kann ohne Versöhnung nicht leben, sonst bleibt sein Sieg ein Pyrrhussieg, also ein Sieg, aus dem der Sieger genauso geschwächt hervorgeht, wie der Besiegte.
Wirksame Versöhnung braucht Partnerschaft, und zwar eine, in der auch der jeweils andere seinen Standpunkt überprüfen und einen eigenen Beitrag zum Neubeginn leisten muss. Das gilt nicht nur für die große Politik.
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RPR1 "Angedacht": Ein Beatle findet Gott.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Mittwoch, 11. August 2010:
Er gehörte zu einer der erfolgreichsten Bands des 20. Jahrhunderts: Ringo Starr, der Drummer der „Beatles“. Gemeinsam mit George Harrison, John Lennon und Paul McCartney hat er über eine Milliarde Platten verkauft.
Ringo, mit bürgerlichem Namen Richard Starkey, hat das Leben in vollen Zügen genossen. Und hat nichts ausgelassen, was zu den hellen und dunklen Seiten des Starrrummels gehört. Je älter er geworden sei, sagt Ringo Starr, desto mehr sei der Wunsch in ihm gewachsen, sein Leben in den Griff zu bekommen.
All die Erfolge und all die Exzesse seien Ausdruck für eine Suche gewesen. Die Suche nach sich selbst. Jetzt glaubt der inzwischen 70-Jährige, das gefunden zu haben, was ihn hält. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er glaubt. Er glaubt an Gott. Dieser Glaube habe dazu beigetragen, dass sein Leben eine positive Wendung bekommen habe und er mit den Drogen aufhören konnte.
Die Erfahrung, die der Ex-Beatle gemacht hat, ist eine, die Menschen schon in biblischer Zeit gemacht haben. Wer suchet, der findet. Das ist eine Zusage. Gott lässt sich an den Kreuzungen des Lebens finden, da wo sich die menschliche Welt und die Welt Gottes sich begegnen, wie im Schnittpunkt eines Kreuzes.
Das kann der Augenblick sein, in dem ich glücklich und zufrieden bin, das kann der Moment sein, an dem ich traurig und niedergeschlagen bin. In beidem, im Glück und im Schrecken lässt sich Gott finden. Man muss kein Starr sein, um dies zu erfahren. Auch kein Ringo Starr.
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