RPR1 "Angedacht": Kaufhauslicht.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels like heaven” bei Rockland Radio am Samstag, 01. Januar 2011:
Weihnachtslichter in einem Kaufhaus. Ein Tisch mit vielen Lampen. Für das Schlaf- oder Wohnzimmer, für das Bad oder die Küche. Das Kaufhaus, in dem die Lampen zum Verkauf angeboten werden, steht ein wenig abseits vom Kundenstrom und von der Einkaufsmeile der Fußgängerzone.
Es ist das Sozialkaufhaus der Neuen Arbeit Westpfalz, einer diakonischen Einrichtung in Kaiserslautern. Gebrauchte Waren gibt es hier. In diesem speziellen Kaufhaus sollen Menschen mit wenig Einkommen und Bedürftige einkaufen können, ohne sich finanziell zu übernehmen.Eigentlich eine gute Sache, das Sozialkaufhaus. Aber: Ist es nicht eigentlich eine Schande, dass es so ein Kaufhaus offensichtlich geben muss. Darf ich das Geschäft also wirklich loben, darf ich ihm Erfolg und gutes Gelingen im neuen Jahr wünschen?
Ja, das darf ich. Unter der Voraussetzung, dass ich nicht wegschaue, sondern die soziale Situation in meiner Stadt wahrnehme und etwas dagegen tue.
„Die tätige Liebe gehört mir wie der Glaube“ – dieser diakonische Kernsatz aus alter Zeit kann auch für das Engagement von Caritas und Diakonie beim Sozialkaufhaus gelten. Denn: „Niemand kann leben ohne die Hilfe anderer.” Auch die Anderen nicht.
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RPR1 "Angedacht": Kerzenlicht.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Freitag, 31. Dezember 2010:
Ein Baby lächelt im warmen Licht seiner Taufkerze. Ihr Licht ist eine schöne Erinnerung an die Taufe. In ihr ruft Gott das Kind mit seinem eigenen Namen: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“
„Fürchte dich nicht“. Dieselben Worte hört Maria in der Weihnachtsgeschichte den Engel sagen, der ihr die Geburt ihres Sohnes ankündigt. Ja, die Taufe ist ein Stück Weihnachten. Gott kommt ganz menschlich zu uns.
Und doch ist die Taufe heute nicht mehr selbstverständlich. Die Zahl der Taufen geht zurück. Dahinter steckt nicht nur der Geburtenrückgang, dahinter lässt sich ein Wandel in der Gesellschaft ausmachen. Es gibt immer mehr Alleinerziehende. Bei ihnen gibt es zwar nach wie vor eine sehr hohe Bereitschaft, ihre Kinder taufen zu lassen, aber die meisten tun es trotzdem nicht.
Die einen nicht, weil ihnen das nötige Kleingeld für die Tauffeier fehlt. Die anderen nicht, weil sie sich der Öffentlichkeit nicht als vermeintlich unvollständige Familie präsentieren wollen. Erwartungen an die Kirche haben diese Menschen trotzdem: Die Kirche soll Mitverantwortung für die Erziehung und das Aufwachsen der Kinder tragen.
Es zeigt sich: Taufe ist eine Gabe und eine Aufgabe. Das Licht der Taufkerze erinnert an den Gottessohn, der gesagt hat: „Ich bin das Licht des Lebens.“ Aber die Taufe mahnt auch die Gemeinden, selbst füreinander zum Licht zu werden.
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RPR1 "Angedacht": Flutlicht.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Mittwoch, 29. Dezember 2010:
Helles Flutlicht beleuchtet den Rasen und die Tribünen auf dem Betzenberg in Kaiserslautern. Es ist eine ganz besondere Atmosphäre, wenn die roten Teufel in der Dämmerung oder am Abend in ihrem Stadion spielen.
Das Fritz-Walter-Stadion ist noch nicht nach einem Finanzmagnaten benannt, sondern nach einem Ausnahmesportler. Aber selbst wenn es einmal soweit käme, dass man den Namen austauschte, die Fans des FCK gingen dann immer noch „uff de Betze“. Über der Stadt thronend, hat der Berg gerade bei Flutlichtspielen etwas Majestätisches, Beeindruckendes.
Der Betze ist so etwas wie der Heilige Berg der Stadt. In vielen Kulturen und zu allen Zeiten galten solche Berge als Sitz der Götter. Man betrachtete und bestieg sie mit Ehrfurcht, man gab ihnen Namen. Auf den Betzenberg pilgern an den Wochenenden Scharen von Menschen hinauf, nehmen Auszeit vom Alltag, huldigen ihren „Fußballgöttern“.
Unter den Besuchern entsteht für kurze Zeit ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Fußball ist ein Stück Leben, in dem sich Hoffnung und Enttäuschung, Freude und Niedergeschlagenheit verdichten.
Mit Herzblut sind viele Fans sicher auch in der Rückrunde wieder dabei und hoffen auf gute Ergebnisse, freuen sich über die gute Gemeinschaft und achten auch die Leistungen der anderen.
Der wahre Fan beherzigt eben das Fairplay. Es ist die Spielart einer biblischen, der „Goldenen Regel, die da lautet: „Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt“
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RPR1 "Angedacht": Mondlicht.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Dienstag, 28. Dezember 2010:
Es ist dunkle Nacht. Nur Mond steht am Himmel. Und scheint, einem Scheinwerfer gleich, die Statur eines afrikanischen Königs vor dem Pfalztheater in Kaiserslautern zu beleuchten. Kolossal steht die Figur aus weißem Carrara-Marmor vor dem Schauspielhaus. Ein wenig Theateratmosphäre, bei der die Natur die Regie führt.
Licht in der Dunkelheit, der Mond als Scheinwerfer. So scheint es. Es ist eine Illusion, wie so vieles vor und im Theater, denn der Mond leuchtet nicht. Man kann ihn nur deshalb nachts sehen, weil er von der Sonne angestrahlt wird.
Der Mond regt die Phantasie vieler Menschen an. Romantische und Abergläubige. So schreiben viele dem Mond besondere Kräfte zu. Sie orientieren sich an Mondkalendern, die Auskunft darüber geben, wann die günstigen Tage zum Fensterputzen sind oder dass man Radieschen am Besten im Einklang mit dem Mond pflanzt.
Diesen oder ähnlichen Mond-Mythen haben schon vor mehr als 2.500 Jahren die Verfasser der biblischen Schöpfungsgeschichte widersprochen. Für sie waren Mond und Sonne nichts anderes als Lichter beziehungsweise Lampen, die die Funktion haben, Tag und Nacht zu unterscheiden und damit die Zeit bestimmen zu können.
Die Statur des afrikanischen König indes kann bei den Betrachtungen über den Mond gelassen bleiben. Denn angeleuchtet wird sie des nachts nur scheinbar vom Mond. In Wirklichkeit ist es eine Straßenlaterne, die sie anstrahlt.
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RPR1 "Angedacht": Krankenhauslicht.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Montag, 27. Dezember 2010:
Hierher geht niemand gerne, erst recht nicht im Advent oder über Weihnachten. Im Krankenhaus ist es nicht schön. Wer hier als Patient ist, der ist krank, oft schwer krank und er sucht Hilfe. Da zählt ärztliche Kunst, professionelle Pflege, erfolgreiche Rehabilitation.
Entsprechend sachlich, nüchtern geht es zu. Die Architektur besticht nicht durch Schönheit, die Ausgestaltung der Räume nicht durch Gemütlichkeit. Sauber muss alles sein, steril. Das Krankenhaus hat einen unverwechselbaren „Geruch“.
Diejenigen, die hier arbeiten, haben nicht nur mit Patienten zu tun, sie beschäftigt auch der Kostendruck, Arbeitskräfteabbau, der schnelle Wandel der medizinischen Technik und Therapie, Untersuchungen im Fließbandtempo, kürzere Verweildauern, höhere Patientenzahlen. Der Arbeitsalltag der Krankenhausmitarbeiter hat sich so verdichtet, das kaum noch Zeit bleibt für das Zwischenmenschliche.
Und doch gibt es die kleinen Lichtpunkte im Klinikalltag: Lichterketten, leuchtende Weihnachtssterne. Gleichsam ein kleiner Fingerzeig, dass es manchmal nur minimaler Veränderungen bedarf, um den gewohnten Alltag für einen Augenblick dem Besonderen zu öffnen. Ein kleiner Händedruck, ein freundliches Lächeln, ein kurzer Besuch, ein stilles Gebet.
So gehören Leib und Seele, gute Medizin, gute Pflege und gute Seelsorge zusammen. Wo Menschen wie im Krankenhaus an die Grenzen des Lebens geraten oder sich ausgeliefert fühlen, ist Beistand und Ermutigung nötig. Die kleinen Lichtpunkte sagen: das Krankenhauspersonal ist ansprechbar. Und Gott auch.
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RPR1 "Angedacht": Scheinwerferlicht.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Sonntag, 26. Dezember 2010:
Einmal im Scheinwerferlicht stehen. Wer träumt nicht davon? Die große Bühne für mich allein. Aus dem Hintergrund an die Rampe treten, aus dem Dunkel ins Licht. Und bewundert werden von den Zuschauern im Publikum. Wie schön wäre das. Ich selbst ein Star, ein Stern vor dem Bühnenhimmel. Der Lichtkegel ist nur auf mich gerichtet.
Bühnenscheinwerfer sind so konstruiert, dass sie schwenk- und neigbar sind. Das Licht muss gedimmt werden können, seine Verteilung veränderbar sein. Zu einem Bühnenscheinwerfer gehören Aufsätze, die das Licht lenken, färben oder Muster projizieren.
Wer schon einmal auf einer großen Theaterbühne gestanden hat, der weiß, dass das Scheinwerferlicht aber auch blenden kann, dass es keinen Blickkontakt zum Zuschauer ermöglicht. Ja, es gibt sogar Verfolgungsscheinwerfer, die jeden meiner Schritte unbarmherzig ans Licht bringen, jede Geste, jedes Missgeschick öffentlich machen.
Der Theaterstück-Autor Berthold Brecht lässt zu Beginn seiner Dreigroschenoper einen Moritatensänger auftreten, der davon singt, dass die einen im Dunkeln und die andern im Licht sind „und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“
Gerade auf die im Dunkeln richtet Brecht in seinen Stücken die Scheinwerfer: Es sind Huren, kleine Kriminelle, große Verbrecher, Ausgebeutete, Verfolgte und Flüchtlinge.
Menschen aus dem Dunkel ins Licht holen: Das ist Weihnachten!
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RPR1 "Angedacht": Fremde Heimat.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Mittwoch, 20. Oktober 2010:
Wie wichtig es ist, eine Heimat zu haben, das weiß der am besten, der sie verloren hat. Die Bibel erzählt davon. Sie berichtet vom Volk Israel, das eine lange Zeit fernab der Heimat in einem fremden Land leben musste, in Babylon.
Wie überlebt man in einer solchen Situation? Wie überlebt man, wenn man weiß, dass die Heimat zerstört ist, unwiederbringlich verloren? Die Juden machen es so: Sie sitzen an den Flüssen in Babylon und geloben, ihr Heimatland nicht zu vergessen, sondern immer im Gedächtnis zu behalten.
„Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte. Meine Zunge soll am Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein“, so sagt es der Beter eines Psalms.
Die Menschen im Exil finden ihre Heimat im Glauben. Im Glauben an den Gott Ihrer Väter und Mütter. Darum erzählen sie sich Geschichten. Wie Gott ihren Vätern und Müttern erschienen ist, wie Gott sich zu erkennen gegeben hat, auch in scheinbar ausweglosen Situationen.
Und so erkennen sie für sich: Wenn wir uns an diesem Gott orientieren, wenn wir uns daran orientieren, was er uns aufgetragen hat, dann werden wir wieder eine Heimat haben.
wenn wir füreinander da sind als Nachbarn und Freunde, dann wird uns nicht nur die Erinnerung an unsere frühere Heimat bleiben. Nein, diese Erinnerung wird dazu beitragen, dass wir sogar in der fremden Welt eine neue Heimat finden.
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