Rockland Radio "Feels like heaven": Das alte Regal.
Pfarrer Gregor Ziorkewicz, Mainz, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Mittwoch, 24. Februar 2010:
Die Wand ist mürbe und das Regal ist schwer. Trotzdem muss ich es irgendwie drankriegen. Die normalen Schrauben tun´s da nicht. Da bin ich froh, dass mir die Anzeige des Baumarktes in der nächsten Stadt in die Hände fällt. Su-per-Auswahl und Super-Service verspricht mir die Werbung. Na dann: nichts wie hin!
Und schon stehe ich vor einem gigantischen Sortiment mit tausenden Schrauben, und bin genauso schlau wie zuvor. Wirklich ein „super“ Service, denke ich und muss an den kleinen Laden in meinem Heimatort denken. Da gibt´s auch ziemlich viel, nur wird nicht so pompös darauf aufmerksam gemacht.
Nach meinem Ausflug in die Stadt frage ich dort nach meinen Spezialschrauben. Und ich bekomme alles, was mir fehlt, von dem alten Verkäufer im grauen Kittel: Drei Schrauben, und dazu noch den guten Rat, die Schrauben mit ein wenig Seife einzureiben, damit sie leichter zu drehen sind.
Das ist Superservice und Superauswahl, denke ich mir und schäme mich, dass ich den großen grellen Anzeigen so sehr vertraut habe. Diese Geschichte ist wie ein Gleichnis für mich, mir ging es so wie jenem Mönch, der überall das Himmelreich verzweifelt suchte, um es dann schließlich Zuhause im eigenen Herzen zu finden.
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RPR1 "Angedacht": Die richtige Würze.
Pfarrer Hans Hutzel, Ludwigshafen-Oggersheim, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Mittwoch, 24. Februar 2010:
Ich liebe Gewürze – als Freizeitkoch kann ich gar nicht genug davon bekommen. Meine Besitztümer stehen alle im Gewürzschrank. Nirgendwo sind bei mir zu Hause so viele Länder versammelt wie dort: Ingwer aus China, Curry aus Indien oder Muskat aus Indonesien.
Wenn mir mal wieder alles zu eintönig erscheint, dann öffne ich manchmal einfach meinen Gewürzschrank. Da duftet es richtig nach Abwechslung: ich rieche die süßen Momente des Lebens, den Duft des Abenteuers, den Geschmack der Ferne.
Von diesen Eindrücken erzähle ich immer mal wieder meinen Schülerinnen und Schüler und zwar besonders dann, wenn wir uns in Wirtschaftsklassen über gerechten Handel unterhalten.
In den Ländern, aus denen die meisten Gewürze kommen, geht es oft nicht gerecht zu. Die Menschen, die dort in der Gewürzernte und -herstellung arbeiten verdienen oft so gut wie gar nichts, haben keinen Urlaub und Pausen dürfen sie bei der Arbeit auch keine machen.
Ich finde, wir alle sind deshalb mit verantwortlich, dass diese Menschen einen gerechten Anteil bekommen vom Anbau und Verkauf der Gewürze bekommen. Deshalb mag ich die sog. „Eine-Welt-Läden“, in denen ich fair gehandelte Lebensmittel kaufen kann, vor allem auch Gewürze, die mein Essen so schmackhaft machen.
Ja: Ich liebe Gewürze – sie sorgen dafür, dass es in meinem Küchenalltag nicht so langweilig ist. Und ich kann dafür sorgen, dass es im Alltag der Gewürzbauern nicht so ungerecht zugeht.
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Rockland Radio "Feels like heaven": Des Teufels General.
Pfarrer Gregor Ziorkewicz, Mainz, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Dienstag, 23. Februar 2010:
Heute vor genau 55 Jahren kam ein Film in die deutschen Kinos, der so ganz anders war als die meisten anderen Filme dieser Zeit. „Des Teufels General“ von Carl Zuckmayer war kein kitschig-romantischer Heimatfilm, sondern er ist mitten hineingegangen in die Geschehnisse der Nazizeit. Der Protagonist des Films, General Harras, ist ein begeisterter Mittäter der Nazis.
Der Film hat heftige Reaktionen zwischen Ablehnung und Anerkennung hervorgerufen – aber endlich, nach vielen Jahren der Verdrängung und Scham konnten viele Menschen anhand dieses Filme auch ihre eigene Geschichte erzählen.
Endlich hatten sie die Chance zu erklären, warum sie so oder so gehandelt haben – und dadurch schuldig wurden.
Es musste erst diesen Film geben, damit Menschen ihre Geschichte erzählen konnten.
So ähnlich geht es mir mit der Bibel. Viele biblische Geschichten machen mir Mut, Auskunft über mein Leben zu geben, meine Geschichte und Geschichten zu erzählen – und nicht immer nur so tun als ob.
Aber diese Mutmach-Geschichten müssen gut sein, sie müssen echt sein, wie eben die Menschengeschichten in der Bibel – aber auch jene die Geschichte vom „Teufels General“, heute vor 55 Jahren.
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RPR1 "Angedacht": Die Hutzel-Feuer.
Pfarrer Hans Hutzel, Ludwigshafen-Oggersheim, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Dienstag, 23. Februar 2010:
Am Wochenende hat es wieder mal gebrannt auf den Feldern um Ludwigshafen. Aber keine Angst, es war kein Brandstifter am Werk. Vielmehr ging es dabei um einen alten Brauch, um das sogenannte Hutzel-Feuer.
Die Namensgleichheit
zwischen dem Feuer und mir ist allerdings reiner Zufall. Das Hutzel-Feuer ist nämlich viel älter als ich. Seit über 100 Jahren schon ist es bei uns in ein Ritual, am 1. Sonntag in der Passionszeit, solche „Hutzel – Feuer“ anzuzünden.
Die Flammen sollen die Dämonen des Winters vertreiben. Früher haben die Schuljungen dabei ihre selbst gebastelten Fackeln außerhalb des Dorfes angezündet und sind anschließend in den Ort hinein gelaufen.
Dort haben die Bewohner ihnen dann Lebensmittel geschenkt und … Hutzeln, also kleine Tannenzapfen. Daraus entwickelten sich die „Hutzel-Feuer“.
Heutzutage ist es mancherorts sogar ein „Highlight“ im gesellschaftlichen Mitein-ander: Vereine haben es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Brauch nicht aussterben zu lassen und organisieren solche „Hutzel-Feuer“.
Welche Dämonen damit heutzutage vertrieben werden? Z. B. wurden rund um den Frankfurter Flughafen solche „Hutzel-Feuer“ eingesetzt – gegen den immer stärker werdenden Fluglärm. Als Zeichen der Demonstration. Und da könnte ich es mir sogar vorstellen, mitzuzündeln.
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Rockland Radio "Feels like heaven": Nachdenken hilft.
Pfarrer Gregor Ziorkewicz, Mainz, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Montag, 22. Februar 2010:
Ich war Pfadfindern und ihrem Gehabe gegenüber ziemlich skeptisch. Immer draußen, nachts in zugigen Zelten schlafen – ohne Komfort. Aber ich muss auch zugeben, besonders viel gewusst habe ich auch nicht über die Pfadfinder
Erst als ich mehr über Pfadfinder gelesen habe, wie engagiert sie sich für den Nächsten einsetzen, habe ich mal genauer hingeschaut. So wird beispielsweise heute auf der ganzen Welt von allen Pfadfindern der „Thinking Day“ ge-feiert, ein Tag des Nachdenkens:
„Warum werde ich nicht satt?“ ist die Leitfrage des Tages – und das auf der gan-zen Welt. Dabei geht es den Pfadfindern aber nicht nur um den Hunger der Menschen in Afrika oder Asien. Auch der Hunger nach Anerkennung, nach Kontakt und nach Freundschaft wird thematisiert.
Finde ich schon klasse, dass es denen nicht nur um Roman-tik am Lagerfeuer geht, sondern eben auch um konkrete Nächstenliebe und Gemeinschaft.
„Brich mit dem Hungrigen dein Brot…“, so steht es bei Jesaja. Nicht nur um Almosen, sondern um das Teilen geht es. Denken Sie vielleicht mal drüber nach. Denn es hilft. So wie bei mir. Ich sehe die Pfadfinder auf einmal mit ganz anderen Augen.
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RPR1 "Angedacht": Zwei Helden.
Pfarrer Hans Hutzel, Ludwigshafen-Oggersheim, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Montag, 22. Februar 2010:
Es gibt sie in Ludwigshafen, Mainz, Koblenz und noch in vielen anderen deutschen Städten Straßen, Plätze und Schulen, benannt nach zwei Helden. Ich spreche von den Geschwistern Hans und Sophie Scholl.
Beide studieren 1943 in Hitler-Deutschland an der Uni in München. Gemeinsam mit anderen engagieren sie sich dort friedlich in der Widerstandsgruppe der „Weißen Rose“ gegen den Nationalsozialismus.
Sie verbreiten Flugblätter gegen den Krieg und die Diktatur unter Hitler. Als sie ihre Schriften in der Münchner Uni verteilen, werden sie vom Hausmeister überrascht und von ihm angezeigt. Vier Tage später schon findet der Prozess statt. Hans und Sophie Scholl werden zum Tode verurteilt. Noch am selben Tag wird das Urteil vollstreckt: Der Kalender zeigt den 22. Februar 1943.
Die Absicht der Verantwortlichen ist leicht zu durchschauen: Alles soll ruck-zuck gehen, um eventuelle Nachahmer abzuschrecken. Für den Augenblick mag die
Taktik scheinbar aufgegangen zu sein. Gott sei Dank aber nur für den Augenblick. Denn vielmehr ist es so:
Bis heute sind die Geschwister Scholl für ihren beispielhaften friedlichen Widerstand bekannt. Sie waren tief davon überzeugt, christlich zu handeln, indem sie erlittenes und offensichtliches Unrecht nicht stillschweigend erduldeten, sondern die Missstände dieser Zeit aufdeckten. Deshalb sind die beiden für mich Helden. Hingerichtet heute vor genau 66 Jahren.
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RPR1 "Angedacht": Wer viel gibt, bekommt noch mehr zurück.
Pfarrer Dejan Vilov, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels like heaven” bei Rockland Radio am Sonntag, 21. Februar 2010:
Was würden Sie jemandem empfehlen, der die große Liebe finden will? Eine Typberatung, die Anmeldung bei einer Single-Börse im Internet oder eine Dauerkarte fürs Fitnessstudio?
Ein großes deutsches Meinungsforschungsinstitut wollte es ganz genau wissen und hat eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Über 1000 Menschen ist dabei genau dieselbe Frage gestellt worden: was würden Sie jemandem raten, der die große Liebe finden will?
Das Ergebnis: Typberatung, Single-Börse oder Fitnessstudio sind weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen gelandet. Die klare Nummer 1 aller genannten Tipps war schlicht die Aufforderung, sich zu engagieren – egal wo. Frei nach der biblischen Weisheit:
Derjenige, der viel gibt, der bekommt noch mehr zurück.
Es stimmt: Wer sich engagiert, gibt viel. Seine Zeit, seine Kraft, und viel von dem, was ihn als Mensch unverwechselbar macht. Denn im Engagement kommt immer auch die eigene Persönlichkeit zum Vorschein.
Und deshalb gibt es auch viel zurück. Vor allem den persönlichen, menschlichen Kontakt zu vielen anderen Menschen. Gegenseitiges Kennenlernen inklusive.
Das ist natürlich noch keine Garantie, die Liebe fürs Leben zu finden, aber eine wichtige Voraussetzung dafür. Ich lerne andere Menschen kennen und die wiederum erfahren auch, wer und wie ich bin. Und das ist absolut zu empfehlen, wenn man die große Liebe finden will.
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