RPR1 'Angedacht': Wer ist das Pferd und wer ist der Reiter?
Pfarrer Oliver Boess, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Donnerstag, 18. Juni 2009:
In Indien erzählen sich die Menschen folgende Geschichte:
Ein Reiter jagt im Galopp übers Land. Da sieht ihn ein alter Bauer und ruft ihm zu: „He, Reiter, wohin?“
Der wendet seinen Kopf über die Schulter und schreit zurück:
„Frag nicht mich, frag das Pferd!“
Ja, so kann’s gehen! Und zwar nicht nur bei dem Reiter, sondern oft auch bei mir selber: Nur vorwärts, nur schneller, schöner, besser, angenehmer muss alles werden. Welchen Preis ich dafür zahlen muss, ist gleichgültig – zunächst jedenfalls.
Denn es ist ja auch wirklich bequem, sich auf das zu verlassen, was mir das 21. Jahrhundert an Hilfsmitteln bietet:
auf die Technik, auf den Fortschritt, vielleicht auch immer noch auf den Staat, der alles schon regeln wird, und auf die Gesellschaft, die an allem schuld ist.
Aber diese Bequemlichkeit hat einen hohen Preis: Ich entmündige mich selbst und werde abhängig. Ich lasse mich von äußerlichen Dingen beherrschen. Und wenn das Auto dann mal nicht fährt oder der Computer abstürzt, stehe ich dumm da.
Der Reiter in der indischen Geschichte meint, er kann die Verantwortung für seinen Weg aufs Pferd schieben.
Dabei ist es gerade umgekehrt: Der Reiter kann sein Pferd doch beherrschen und steuern, wohin er will. Nur, wohin ist das eigentlich?
Als Christ glaube ich, dass mein Ziel bei Gott ist, im Paradies. Den genauen Weg dorthin kenne ich nicht, aber ich bin überzeugt, dass mich Gott auf meinem Weg begleitet.
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RPR1 'Angedacht': Der Aufstand vom 17. Juni 1953
Pfarrer Oliver Boess, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Mittwoch, 17. Juni 2009:
In Colorado in den USA steht die Ruine eines riesigen Baumes, über 400 Jahre alt. Im Laufe seines Lebens wurde er vierzehnmal vom Blitz getroffen. Hat er alles locker weggesteckt. Doch als sich eine Horde von Käfern durch seine Rinde gefressen hat, fing er an zu sterben.
Ein riesiger Baum, der so vielen Stürmen und Blitzen standhielt, von kleinen Insekten tödlich verwundet und schließlich zerstört.
So ähnlich wie in der DDR. In der Deutschen Demokratischen Republik kam es am 17. Juni 1953 zu einem Volksaufstand:
Arbeiter haben sich quasi an der Borke des sozialistischen Systems festgefressen.
Zehntausende Arbeiter von Baustellen und Betrieben drängten in die Berliner Innenstadt, zogen zum Brandenburger Tor und rissen unter dem Beifall der Menge die Rote Fahne herunter.
Der Anfang des Sturzes war gemacht. Das demokratische Westdeutschland hat das wohl erkannt: Prompt wurde der 17. Juni zum Feiertag, zum „Tag der deutschen Einheit“ erklärt – bis zur Wiedervereinigung vor 19 Jahren.
Das will ich mir auch zum Vorbild nehmen: Ich möchte nicht wegsehen, wenn Menschen unterdrückt werden und meinen Teil dazu beitragen, diese Unterdrückung zu beseitigen.
Vielleicht bin ich dabei ja nur ein kleiner Borkenkäfer, aber mit der Unterstützung von anderen Menschen und nicht zuletzt mit Gottes Hilfe kann es gelingen.
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RPR1 'Angedacht': Ich bin ein Heiliger!
Pfarrer Oliver Boess, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Dienstag, 16. Juni 2009:
Kennen Sie den Heiligen Benno? Er war im 11. Jahrhundert Bischof von Meißen in Sachsen und heute feiern katholische Christen seinen Gedenktag.
Vor fast 500 Jahren hat die katholische Kirche Benno heilig gesprochen und das ist schon etwas Besonderes. Denn um heilig gesprochen zu werden, muss man ganz bestimmte Kriterien erfüllen:
Zum Beispiel muss man ein Wunder vollbracht haben oder ein Märtyrer gewesen sein. Das heißt, man muss trotz Folter an seinem Glauben festgehalten haben. Meistens führte die Folter dabei sogar zum Tod. Es ist also gar nicht so einfach, von der katholischen Kirche heilig gesprochen zu werden.
In dem Punkt habe ich es als Evangelischer Christ erheblich einfacher; denn mit meiner Taufe habe ich schon eine evangelische Heiligsprechung. Ganz ohne Folter und ohne Wunder und so…
Nach evangelischem Verständnis bin ich allein durch meinen Glauben ein Heiliger. Ich stehe mit dem Heiligen Benno und allen anderen Heiligen auf einer Stufe. Wir sind alle ganz nah bei Gott. Und keiner ist näher dran als der andere. Egal, ob er heilig gesprochen wurde oder nicht.
Und letztlich kann ohnehin nur Gott einen Menschen zum Heiligen machen. Und das tut er auch. Aber nicht wegen noch so vieler guter Taten, und auch nicht nur einige wenige Menschen. Bei Gott sind alle Menschen heilig, die an ihn glauben.
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RPR1 'Angedacht': Ein Herz für Kinder!
Pfarrer Oliver Boess, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Montag, 15. Juni 2009:
Wieder mal eine rote Ampel. Vor mir steht ein Auto, schick, schneidig und bestimmt noch keine drei Jahre alt.
Aber den Aufkleber hinten rechts, kenn’ ich noch aus meinen Kindertagen:
Ein dickes rotes Herz ist da zu sehen, und dazu der Text:
„Ein Herz für Kinder“.
O ja, mehr Herz, das würde vielen von uns Menschen nicht schlecht stehen. Vieles kommt mir da herzlos vor,
im Umgang mit Kindern, aber auch sonst im Alltag.
Ein Herz für einiges, das schief läuft in unserer Welt.
So kommen mir da die Gedanken an der roten Ampel.
Und nicht nur ein Herz, manchen täte etwas mehr Hirn auch gut.
Genau: drei Herzen bräuchte man! Und am besten neun Gehirne! Auf der andern Seite: Wer will schon gern ein Krake sein? So ein Riesenkrake im Meer, der hat nämlich drei Herzen. Und neben seinem kleinen Hirn noch ein Zusatzhirn in jedem seiner acht Arme, also neun insgesamt. Die steuern die ganzen Saugnäpfe an den Armen.
Und die drei Herzen pumpen das Blut durch den Kreislauf.
Allerdings: So ein Krake wird nicht alt, gerade mal vier Jahre.
Dann doch lieber ein Mensch sein und zwar so wie Gott ihn geschaffen hat: Mit nur einem Hirn und einem Herz! Das aber am rechen Fleck. Ein Herz für Kinder, ein Herz für meine Mitmenschen überhaupt.
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RPR1 'Angedacht': Du Tollpatsch!
Pfarrer Oliver Boess, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Sonntag, 14. Juni 2009:
Ist Ihnen das auch schon passiert? Da will ich den Tisch decken, und weil es möglichst schnell gehen soll nehme ich alle Teller auf einmal und dann…
...eine falsche Bewegung – das wars! Alle Teller sind kaputt und ich muss erstmal den Besen holen und die Scherben auffegen. Dabei ärgere ich mich über mich selber und denke: Du Tolpatsch!
Der Begriff „Tollpatsch“ hat mit „toll“ gar nichts zu tun, sondern ist ein Spottname für ungarische Fußsoldaten des 17. Jahrhunderts.
Talp heißt auf Ungarisch „Sohle“ oder „Fuß“. „Talpasch“ ist das Wort für „breitfüßig“. Und breitfüßig kamen die armen ungarischen Fußsoldaten daher. Denn sie hatten kein festes Schuhwerk, sondern nur Bast- oder Ledersohlen an die Füße gebunden. Und damit konnten sie im Gelände keine allzu gute Figur machen, sondern kamen öfter ins Stolpern.
Wenn ich mich in meinem Leben mal wie ein Tollpatsch aufführe und mich auch genauso gegenüber Gott und meinen Mitmenschen verhalte, dann ist es gut zu wissen: Gott gibt mir die Möglichkeit zur Wiedergutmachung, und er gibt mir Raum, auf dem ich das sichere Gehen einüben kann.
Wenn ich auch immer wieder mal tollpatschig stolpere, so kann ich mich doch an einem Psalmvers halten:
“Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum.“
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RPR1 'Angedacht': Magenspiegelung
Pfarrer Oliver Böß, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Samstag, 31. Januar 2009:
Der Mann hatte den totalen Durchblick: Adolf Kußmaul.
Ein hervorragender Neurologe, Psychologe und Chemiker des 19.Jahrhunderts. Und: der Pionier der Magenspiegelung!
Und das vor 140 Jahren!
Damals hat er auf dem Jahrmark in Freiburg einen Schwertschlucker beobachtet. Kussmaul wollte ihn als Demonstrationsobjekt für ein Experiment, das er seinen Kollegen vorführen wollte. Nach einigem Zieren und noch mehr Geldscheinen hat sich der Schwertschlucker schließlich bereit erklärt mitzumachen. Und so ließ er sich ein Stahlrohr bis in den Magen schieben.
Das Rohr war mit verschiedenen Spiegeln und Linsen versehen. Doch leider war´s im Magen stockduster, nichts war zu sehen. Aber der Anfang war gemacht.
Drei Jahrzehnte später kam dann die große Zeit von Wilhelm Conrad Röntgen, der die Röntgenstrahlen entdeckte.
Und heute werden wir Menschen von anderen Menschen durchschaut. Dank Magenspiegelung und Röntgenstrahlen.
Die sind im medizinischen Bereich gar nicht mehr wegzudenken.
Zum Glück klappt das aber auch heutzutage nicht hundertprozentig. Vieles liegt noch im Dunkeln, im Verborgenen. Auch heute noch weiß Gott noch mehr von uns als die schlausten Mediziner. Schließlich hat Gott mich im Mutterleib gebildet und meine Nieren bereitet, wie es in der Bibel heißt.
Und natürlich auch meinen Magen und alles Weitere. Seine Liebe zum Menschen macht nirgends halt. Zumal Liebe ja bekanntlich durch den Magen geht.
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RPR1 'Angedacht': Wetten, dass...?
Pfarrer Oliver Böß, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Freitag, 30. Januar 2009:
Hurra, ab heute dreht sich wieder alles ums runde Leder –
die Winterpause ist vorbei, und der Profifußball ist wieder lebendig.
Natürlich wird in sportbegeisterten Kreisen viel diskutiert; vor einem Spiel wird spekuliert, wer von den zwei Mannschaften denn die besseren Karten habe; und nach dem Spiel wird dann ganz fachmännisch analysiert und recherchiert und kritisiert. Der jeweilige Lieblingsverein verdient da natürlich besondere Beachtung.
Ich hab’ natürlich auch meinen Lieblingsverein, und vor einem Spiel hab’ ich immer eine ganz ausgeklügelte Taktik:
Ich wette immer, dass mein Lieblingsverein verliert. Warum?
Nun, wenn mein Team gewinnt, dann freu’ ich mich darüber und kann die verlorene Wette gut verschmerzen. Verliert mein Verein, dann hab’ ich wenigstens die Wette gewonnen.
Ein ganz gewiefter Zocker war auch der Begründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung, Blaise Pascal. Selbst beim Philosophieren hat er gewettet. Bei der Frage, ob es Gott gibt oder nicht, da sagte er sich: Ich wette, dass Gott existiert – weil es sich lohnt, darauf zu wetten. Warum?
Nun, wenn Gott wirklich existiert, dann hat Pascal doppelten Gewinn: Erstens weiß er dann, dass Gott existiert und freut sich darüber, und zweitens hat er dann seine Wette gewonnen. Wenn er aber darauf setzt, dass Gott nicht existiert, dann hat er einfach nur seine Wette gewonnen.
Also setzte er als Spieler, Mathematiker und Philosoph auf Gott. Und ich setze als Christ auch auf Gott.
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