RPR1 'Angedacht': Braucht Gott Taschentücher?

Pfarrer Oliver Böß, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Donnerstag, 29. Janaur 2009:

Herzlichen Glückwunsch und ein Hoch auf unsere Tempotaschentücher!

Die haben nämlich heute Geburtstag. 80 Jahre alt werden sie.
Sie sind aber jung geblieben und so begehrt wie vor Jahr und Tag. Zehn Tücher in einer Packung, die es in sich haben.
Wozu ich die alles brauche, die Papiertaschentücher von Tempo, oder besser, wogegen:

gegen Schnupfen, gegen Flecken auf der Haut oder auf dem Tisch, gegen Schweiß auf der Stirn und vor allem – gegen Tränen.

Tränen, wie oft die fließen, bei Alt und Jung, bei Mann und Frau! Allein in Deutschland werden statistisch gesehen täglich 40 Badewannen mit Tränen gefüllt! Geweint wird überall auf der Welt – mal vor Freude, mal vor Rührung und ganz oft vor Schmerz und Trauer. Und das wird auch so bleiben – bis zum Ende der Welt.

Aber danach, was wird dann sein? Dann, wenn wir nicht mehr auf dieser Welt sind? In der Ewigkeit? Vielleicht werden sie dann gar nicht mehr gebraucht, die Taschentücher von Tempo oder von Softies oder Kokett oder wie sie alle heißen, die Taschentücher.

Schließlich verspricht die Bibel in ihrem letzten Buch, in der Offenbarung des Johannes:

„Gott wird abwischen alle Tränen.“

Sicher nicht im Sinne von „mit einem Wisch ist alles weg“, das glaube ich nicht. Und vielleicht benutzt Gott auch keine Taschentücher, aber auf jeden Fall gilt:

“Gott wird abwischen alle Tränen.“ Irgendwie.

Bis es so aber weit aber ist, haben wir die Tempo-Taschentücher. Und das ist gut.

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RPR1 'Angedacht': Ein Musikfilm ohne Musik

Pfarrer Oliver Böß, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Mittwoch, 28. Januar 2009:

Die Bibel hat ja schon interessante und spannende Geschichten zu bieten. Weil sie aber so dick und alt ist, kommt sie bei vielen heutzutage aber nicht an.

Viele Menschen stöhnen:
„So viele Vorschriften im Alten Testament!“
Oder: „In den Briefen des Paulus, da werden Sachen behandelt, die interessieren heute doch wirklich nicht mehr!“
Manche gehen sogar noch weiter: „Brotvermehrung, Wunderheilungen, Geisteraustreibungen – ist ja alles schön und gut, aber ins moderne Weltbild passt das alles nicht mehr. Kann man das denn nicht weglassen?
Einfach raus schneiden aus der Bibel, dann ist sie doch auch glaubwürdiger!“

Wenn ich so was höre, dann muss ich an einen Kinobesitzer in Seoul in Südkorea denken. Der hatte einen Musikfilm gekauft. „Meine Lieder – meine Träume“, hieß der. Dem Kinobesitzer war der Musikfilm aber zu lang, und deshalb hat er kurzerhand sämtliche Lieder herausgeschnitten.

Klasse, ein Musikfilm ohne Musik!

Genauso unverantwortlich ist es auch, an der Bibel rumschnippeln zu wollen.

Die Bibel ohne Brotvermehrung –
das wäre für mich brotlose Kunst.
Die Bibel ohne Wunderheilungen –
da würden sich viele Menschen wundern.
Die Bibel ohne Geisteraustreibungen –
das wäre alles andere als geistreich.

Denn Geister treiben auch heute noch ihr Unwesen,
unter Namen wie Drogen, Alkohol, Aggression oder Geltungssucht.
Lassen wir also die Bibel lieber so, wie sie ist.
Denn sonst wird ihre Botschaft ausgebootet.

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RPR1 'Angedacht': Einfach unverwüstlich!

Pfarrer Oliver Böß, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Dienstag, 27. Januar 2009:

Immer wieder bringt die Geschichte Menschen hervor, die wirklich unverwüstlich sind. So wie Samuel Dombey, ein Schwarzer, der kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg in New Orleans lebte, und zwar als Totengräber.
Er war bescheiden, sympathisch und hat sich immer mit einem sehr niedrigen Lohn begnügt.
Und deshalb beschlossen seine Kollegen, ihn zu töten.

Zunächst probierte es ein Heckenschütze, aber sein Gewehr explodierte als er abdrückte und verletzte den Schützen schwer. Wenig später wurde er von Maskierten überfallen, an Händen und Füßen gefesselt und auf ein Boot gebracht, welches dann in einem See versenkt wurde. Allerdings war der See an dieser Stelle nur einen halben Meter tief, und Dombey konnte sich befreien. Als nächstes versuchte man es mit Brandstiftung. Dombay rannte aus dem brennenden Haus und bekam eine Ladung Schrot in die Brust.

Er hat alles überlebt, hat weiter Gräber ausgeschaufelt und starb erst im stolzen Alter von 98 Jahren.

Unverwüstlich war in biblischen Zeiten auch der Prophet Daniel. Ein frommer, gottesfürchtiger Mann, der am königlichen Hof Karriere machte. So wurden mit der Zeit immer mehr Menschen neidisch auf ihn. Durch eine Intrige erreichten seine Widersacher, dass Daniel in eine Löwengrube geworfen wurde.

Aber – o Wunder – die Zeit bei den Raubtieren überlebte der Prophet unbeschadet.

Menschen, die ein gottgefälliges Leben führen, stehen manchmal schon auf der Sonnenseite in diesem Leben.

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RPR1 'Angedacht': Was haben Jesus und Magellan gemeinsam?

Pfarrer Oliver Böß, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Montag, 26. Januar 2009:

O: Ich bin Oliver Böß von der Evangelischen Kirche…
L: Und ich bin die Lara, deine Tochter.

O: Lara, du hier im Radio und nicht in der Schule?
L: Ach, Papa, das bisschen Mathe und Deutsch und Erdkunde…!

O: Was macht ihr denn grad in Erdkunde?
L: Magellan.

O: Magellan – ist das nicht so ein Navi-System?
L: Papa, denk doch mal bisschen weiter! Erdkunde!

O: Hm… Die Magellan-Straße kenn’ ich.
L: Sehr gut! Die ist nach ihm benannt. Magellans Schiff hat als allererstes die Erde umrundet.

O: Ich dachte, der Kolumbus…?
L: Papa, der Kolumbus ist ja noch nicht mal bis nach Indien gekommen!

O: Und der Magellan, der ist um die Welt gekommen?
L: Ja, das heißt: nicht ganz. Kurz vorher ist er auf den Philippinen getötet worden.

O: Der Arme. Hat er’s also doch nicht geschafft.
L: Aber seine Mannschaft, die hat weitergemacht, wo er aufhören musste. Nach über zwei Jahren war’s dann geschafft. Insgesamt viermal hat ein kleiner Rest seines Teams den Äquator überquert.

O: Das ist ja fast so wie bei Jesus.
L: Mann Papa, ich weiß, du bist Pfarrer, aber dass du deshalb immer zu Reli wechseln musst…!

O: Ja, aber schau doch mal: Jesus ist doch zu uns gekommen, um Frieden zu bringen. Aber nach seinem Tod schien alles vorbei zu sein. Er ist dann zwar auferstanden, aber nach seiner Himmelfahrt musste er in den Herzen seiner Anhänger weiterleben.
L: Und die haben sein Werk weiter geführt. Bis heute.

O: Aber Frieden ist immer noch nicht auf der Welt. Na ja, das zu schaffen ist wohl um einiges schwerer…
L: …als die Welt zu umsegeln.

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RPR1 'Angedacht': Alles hat seine Zeit

Pfarrer Oliver Böß, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Sonntag, 25. Januar 2009:

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“

Dieser Satz steht in der Bibel. Aber die ist ja schon sehr alt, und im Laufe der Jahrhunderte ist die Zeit immer wichtiger geworden. Mittlerweile heißt es oft nicht mehr: alles hat seine Zeit, sondern die Zeit hat alles. Und das spätestens seit dem 17./18. Jahrhundert.

Damals schon waren die Menschen ganz wild auf Uhren.
Es kamen immer mehr Nachttischuhren heraus, die die Stunde geschlagen haben, und dann schon bald die ersten, die klingelten.

Da bekamen die Menschen immer mehr Angst, sich zu verspäten und sie haben sich immer mehr mit der Zeit abgequält:

Bald wurden auch die tollkühnsten Weckuhren mit Licht für die Nacht entworfen.
Ein Uhrmacher in Marseille hat 1781 eine Uhr konstruiert, bei der wurde zur eingestellten Zeit ein Schuss ausgelöst; und der hat dann eine Kerze entzündet. Kaum zu überbieten, meinen Sie?

Dann kennen Sie vielleicht noch nicht das Modell, das jetzt erst ganz neu auf den Markt gekommen ist: den Wurfwecker.
Den kann man im Halbschlaf an die Wand werfen,
der ist so robust gebaut, dass er einfach nicht kaputt geht.
Und dabei klingelt er noch weiter, bis auch die größte Schlafmütze aufsteht.

Also, ich hol’ mir auf gar keinen Fall einen solchen Wecker.
Meine Zeit will ich mir nicht von Uhren diktieren lassen.
Denn so alt die Bibel auch ist, vieles in ihr ist zeitlos gültig
Auch der Satz: „Meine Zeit steht in Gottes Händen.“

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RPR1 'Angedacht': Gebetszugaben

Pfarrer Oliver Böß, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Samstag, 7. Juni 2008:

Gebete bewirken viel, da bin ich ganz sicher. Manchmal aber, manchmal können sie auch in Unannehmlichkeiten führen. Wie beim Presbyterianerpriester Duncan Mc Leod, Ende des 19. Jahrhunderts.

Der will eine Dürre beenden und organisiert deshalb im Staat New York ein Massengebet. Er schafft es, dass an einem Augustsamstag die Menschen in der ganzen Gegend um zwölf Uhr ihre Tätigkeit einstellen und für Regen beten. Um vier Uhr setzt ein Gewitter ein. Das Gewitter bringt fast zehn Liter Regen, und der spült eine Brücke weg, und eine vom Blitz getroffene Scheune brennt bis auf die Grundmauern nieder.

Jetzt will es der Zufall, dass diese Scheune einem Bauern gehört, der sich als einziger nicht an dem kollektiven Regengebet beteiligt hat. Deshalb finden auch viele, dass den Bauer die göttliche Gerechtigkeit ereilt habe. Aber der Bauer sieht das anders: Während alle dem Reverend Glückwünsche entgegen bringen zur Beendigung der Dürre, verklagt der ihn auf 5 000 Dollar als Entschädigung für den ihm entstandenen Schaden.

Jetzt ist der Priester in der Zwickmühle, denn er hat seinen Anhängern wiederholt erklärt, dass Gott ihr Gebet erhört habe – und da kann er jetzt doch kaum zurückstecken und behaupten, das Gewitter sei nur ein Zufall gewesen!

Aber zum Glück hat er einen guten Anwalt, und der kann den Richter davon überzeugen, dass die Menschen in dem Massengebet lediglich um Regen gebeten hätten. Blitz und Donner müssen eine Zugabe Gottes gewesen sein.

Für Gebetszugaben aber kann man Betende nicht verantwortlich machen.

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RPR1 'Angedacht': Göttliche Energy-Drinks

Pfarrer Oliver Böß, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Freitag, 6. Juni 2008:

In einem Psalm heißt es: “Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so dürstet meine Seele, Gott, nach dir.“ Daran angelehnt scheint auf dem amerikanischen Markt leider auch zu gelten: „Wer nach Profit lechzt und dürstet nach Money, dem scheint nichts heilig.“

Eine kalifornische Firma verkauft göttliche Energy-Drinks. Für 2 Dollar 50 können Kunden, die nach Erfrischung und Erleuchtung lechzen, einen halben Liter Wasser bekommen. Auf dem Etikett: ein segnender Jesus oder eine gütig lächelnde Maria.

Zehn verschiedene Wassersorten gibt’s, die Gebrauchsanweisung für die Flaschen ist indes dieselbe: „Lies das Gebet… Trink das Wasser… Glaube an Gott… Glaube an dich selbst!” Und dann gibt’s neben dem erbaulichen Anblick noch ein erquickendes Gebet oder einen zuversichtlich machenden Psalm.

Normales Wasser – aufgepeppt mit Produktnamen wie „Freiheit“, „Schutz“ oder „Ausgleich“. Damit wird neben dem Durstlöschen noch etwas anderes suggeriert: nämlich Beistand in jeder Lebenslage. Und das mit Riesenerfolg! In Amerika ist die Nachfrage nach dem Zaubertrank so groß, dass die Firma nach den Christen nun auch Andersgläubige beglücken will. So soll’s bald auch Wunderwasser geben mit speziellen Motiven für Moslems und für Hindus und Buddhisten und Juden.

Puuh! Solche religiösen Drinks wirken auf mich nicht lechzend, sondern ätzend. Nicht solches Wasser, sondern ein mit Leben gefüllter Glaube verleiht mir Flügel.

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