RPR1 'Angedacht': Wissen Sie noch, was eine Kaltmamsell ist?

Pfarrer Fritz Penserot, Burg an der Mosel, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Samstag, 17. Januar 2009:

Können Wörter eigentlich sterben? Wenn sie nicht mehr ausgesprochen werden, nicht mehr geschrieben… wenn sie allmählich in Vergessenheit geraten?

Vor einem Jahr wurde in einem Wettbewerb nach dem schönsten bedrohten Wort gefragt. Rund 3000 Vorschläge wurden von überallher eingereicht. Begriffe wie Labsal, Backfisch, oder Lichtspielhaus. Worte wie Sommerfrische, Dreikäsehoch und Augenstern.
Zum Gewinner wurde das Wort „Kleinod“ erkoren.

Wörter schmecken nach Heimat, riechen nach Erde, erzählen vom Wind in den Zweigen, klingen nach Zuhause. Sie sind sinnlich und zart, zerbrechlich und scheu. Gerade aussterbende Wörter verdienen Aufmerksamkeit, denn sie erzählen Geschichten. Erzählen, wie sich die Welt damals anfühlte, als sie in aller Munde waren.

Die Zeiten ändern sich und oftmals wissen wir gar nicht mehr, was die Worte bedeuten. Was kann man tun, um solche sprachlichen Schätze wie Gänsewein, Nasenfahrrad oder Ratzefummel zu retten?

Man kann sich eins oder mehrere aussuchen. Sie – wenigstens für eine Zeit – zu seinen Lieblingsworten erklären und sie weitergeben: Im Munde führen und weitersagen.

Damit unsere Sprache bunt, reich und vielgestaltig bleibt und damit solche sprachlichen Kostbarkeiten weiter zu unseren Habseligkeiten gehören: Steckenpferd, Groschen, Schabernack – Obacht, Mumpitz, Firlefanz – Bandsalat, Augenweide, fürderhin – Anmut, Demut, Kaltmamsell.

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RPR1 'Angedacht': ...und die Kraft und die Herrlichkeit...

Pfarrer Fritz Penserot, Burg an der Mosel, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Freitag, 16. Januar 2009:

Ich bin gerne auf Friedhöfen. Der mir liebste Ort der Ruhe ist jenes Familiengrab auf dem Friedhof meiner Heimatstadt.
„Hier ruht in Gottes Ewigkeit“ steht da auf einem Grabstein, und darunter der Name.

Und wenn die Sonne scheint, kann man sich hier ausruhen, auf der steinernen Bank. Sie ist für die Besucher aufgestellt. Als werde man erwartet.

„Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit… in Ewigkeit“, so heißt es im Vaterunser. Das wird spürbar auf der Bank zwischen all den Toten: Gott war da, bevor ich gewesen bin, er wird da sein, längst nachdem ich vergangen bin und mein Leib hier in der Erde liegt bei den anderen. Da, unter den Zweigen bei den alten Bäumen – Ewigkeit.

Ein Engel steht auf einem Grabstein, mit einer Trompete, erhoben. Er singt, er verkündet den Sieg. Nicht den Sieg der Menschen, die darunter liegen, auch wenn die sich das manchmal gewünscht hätten: Er singt von der Auferstehung, am Ende der Tage: Den Sieg des Reiches Gottes, den verkündet er. Dass Christus lebendig ist und dass er alle befreien wird.

Ich sitze unter dem Engel und kann darüber nachdenken, wie das ist. Vielleicht so ähnlich wie hier zwischen all den Toten: Geborgen, geschützt in Gottes Hand. In Ewigkeit.

Das ist ein ganz neues Leben, das macht gelassen und frei und gibt Zuversicht. Und es lässt mich Anteil nehmen am Schicksal anderer: So wie ich mich beschützt und umsorgt fühle, so kann ich auch andere schützen, und sie umsorgen kann ich.
Dein ist das Reich und die Kraft… herrlich, diese Ewigkeit. Amen.

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RPR1 'Angedacht': ...wie im Himmel, so auf Erden...

Pfarrer Fritz Penserot, Burg an der Mosel, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Donnerstag, 15. Januar 2009:

Wie im Himmel so auf Erden.“ Das sind Worte aus dem Vater Unser. Ich kenne kaum Worte, die mehr Sehnsucht in sich tragen als diese: Dass es irgendwann keinen Unterschied mehr geben möge zwischen Himmel und Erde. Dass das Leben wenigstens einmal im Diesseits schon so schön sei wie im Jenseits: Nichts Böses mehr auf Erden, keine Gewalt, keine Unterdrückung. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Aber wo begegnet uns das heute schon?

„Wie im Himmel“, heißt ein Film aus Schweden, der vor zwei Jahren in die deutschen Kinos gekommen ist, vielleicht haben Sie ihn ja gesehen.

In dem Film geht es um diese Sehnsucht: Ein Stück vom Himmel hier schon auf der Erde zu erleben. Und er zeigt, wie das jetzt schon möglich ist – nämlich in der Musik.

Es ist die Geschichte eines berühmten Musikers, der sein persönliches Glück erst dann findet, als er die großen Bühnen der Welt hinter sich lässt und zu seiner kleinen nordschwedischen Heimatgemeinde zurückfindet. Dort beginnt er mit einem einfachen Chor zu üben. Und in der Arbeit mit diesem Chor erlebt er die Erfüllung, nach der er sein Leben lang gesucht hat. Klänge, Gemeinschaft, und: Liebe.

Manchmal, so scheint es, finden Menschen ja erst auf Umwegen zum Glück. Doch dabei ist eines deutlich:
Menschen finden zueinander, wenn sie sich aufeinander einlassen.
Wenn sie aufeinander hören, beginnen sie gemeinsam zu klingen. Und sie werden zu einem weltumspannenden Klang.

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RPR1 'Angedacht': ...unser tägliches Brot gib uns heute...

Pfarrer Fritz Penserot, Burg an der Mosel, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Mittwoch, 14. Januar 2009:

Haben Sie schon mal Brot gekauft im Supermarkt? Ich meine in so einem richtig großen Supermarkt? Bei meinem füllen die Brotangebote eine ganze Regalstraße und man muss genau wissen, was man sucht, damit man sich nicht da drin verliert: Vollkorn-, Roggen-, Sauerteig-Brot, Knäcke, Leinsamen, Kartoffel-Brot.

Brot ist das Sinnbild für das, was wir zum täglichen Leben brauchen. „Unser tägliches Brot gib uns heute“, heißt es im Vaterunser.

Zeiten des Hungers sind für die meisten von uns Mitteleuropäern Gottseidank vorüber und doch gibt es wieder Armut und Hunger in Deutschland. Es ist der Hunger danach, gebraucht zu werden, Arbeit zu finden, der Hunger nach Wertschätzung, nach Sinn.

Über 11 Millionen Menschen gelten hierzulande als arm – aber das Schlimmste ist, dass sich diese Menschen als wertlos empfinden. Als „die Überflüssigen“ hat man sie mal bezeichnet: man braucht sie scheinbar nicht: Ihre Arbeit, ihre Begabungen, ihre Persönlichkeit. Sie kosten nur. Deshalb gehören sie anscheinend nicht dazu.

Im Supermarkt sind die Regale voll. Woran es uns mangelt, ist die Anerkennung der Würde und Rechte der Menschen, die Pech gehabt haben.

Unser tägliches Brot gib uns heute, heißt es im Vaterunser. Vielleicht müsste es bei uns und in diesen Zeiten heißen: Unsere tägliche Arbeit gib uns heute. Und öffne uns die Augen für die, die am Rande stehen. Hilf uns, dass wir etwas für sie tun. Und dazu gib uns den Mut, die Kraft und die Hartnäckigkeit. Denn auch sie sind Geschöpfe Gottes. Amen.

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RPR1 'Angedacht': ...geheiligt werde dein Name...

Pfarrer Fritz Penserot, Burg an der Mosel, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Dienstag, 13. Januar 2009:

„Geheiligt werde dein Name“, so heißt es im Vater unser. Aber, was ist das eigentlich: „heilig“?

Es gibt ein paar Dinge, die geben einen Hinweis.
Ich habe eine kleine Holzschachtel. Da sind Eichelhäher-Federn drin. Die ersten, die ich in meinem Leben gefunden habe – jedenfalls erinnere ich mich so.
Und dann ein selbstgemaltes Bild. Das ist von meiner ältesten Tochter. Sie war damals drei Jahre alt. Und von meiner mittleren Tochter ein Stück Strand-Holz und von der Jüngsten eine Haarlocke.
Diese Dinge begleiten mich, sind so etwas wie ein kleiner Schatz.

Für mich sind das alles Hinweise dafür, wie kostbar das Leben ist.
Und deshalb ist das erste, was ich „heilig“ nenne, das Leben. So wie es mir begegnet: In seiner kleinen, für mich fassbaren Gestalt. Das Leben: die Menschen, die Natur, die Tiere, die Steine. Weil jedes Stück von dieser Welt sagt: Ich bin geschaffen. Ich bin von Gott.

In meiner Holzschachtel liegt noch etwas: Es ist ein Stück Beton, ein Splitter von der Berliner Mauer. Gold und rot schimmernd.
Im Winter 1989 war es, da ist die Mauer gefallen und wir wurden ein Volk. Hunderttausende Menschen sind damals zur Mauer geströmt, auch ich. Und wir haben mit dem Hammer kleine Erinnerungstücke rausgeschlagen.

Heilig ist, was mir Hoffnung macht. Hoffnung auf Frieden, auf Gerechtigkeit, auf Freiheit. Und dass ich meine Hoffnung teilen kann – mit anderen zusammen, dass wir zusammen gehören, nicht nur die Deutschen, sondern die ganze Menschheit.

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RPR1 'Angedacht': Vater unser im Himmel...

Pfarrer Fritz Penserot, Burg an der Mosel, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Montag, 12. Januar 2009:

Wie soll ich eigentlich Gott anreden? – IHN, der so weit dort oben im Himmel wohnt. (Oder ist er hier drunten auf der Erde?)
Wie soll ich reden mit ihm, der manchmal so fern ist (oder auch wohltuend nah)?

Die Jünger Jesu wussten das damals auch nicht.
Doch Jesus sagte: Nennt ihn doch einfach „Vater“ – auf hebräisch: „Abba“ – Nennt ihn: „Väterchen“. – So einfach.
Und so reden wir Gott heute noch an: „Vater unser“. Als wenn’s ein leibhaftiger Vater wäre, der Vater aller Väter.

Das ist ein gutes Gefühl, solch einen Vater zu haben. Einen, der immer da ist. „Vater unser“, das ist ein Beziehungsangebot, eine Freundschaft, eine Zuflucht. Das fühlt sich gut an.

Und immer wenn wir dieses Gebet, dieses „Vater unser“ sprechen, sagen wir damit auch: Ohne dich wären wir nicht da. Deine Liebe hat dazu geführt, dass wir ins Leben getreten sind, und deine Fürsorge achtet darauf, dass es uns gut geht.

„Vater“ hat Jesus Gott genannt. Und er hat uns dazu eingeladen, dass auch wir in ihm den Vater sehen. Auch oder gerade weil wir mit den wirklichen Vätern manchmal ganz andere Erfahrungen machen: Dass sie so oft hilflos sind, oder ungerecht, oder manchmal sind sie gar nicht da.
Es ist wunderbar, wenn wir dann einen Vater aller Väter haben, bei dem wir willkommen sind. Bei allen unseren Sorgen und Gedanken. Auch bei all unserer Freude. Eine Heimat.

„Vater Unser im Himmel“, so lautet die erste Zeile des wichtigsten Gebetes, das uns Christen auf der Welt eint.

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RPR1 'Angedacht': Namen ändern sich - Gottes Zusage bleibt

Pfarrer Dejan Vilov, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Sonntag, 11. Januar 2009:

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